Endfälliges Darlehen vs. Tilgungsdarlehen: Was sich in der Baufinanzierung wirklich lohnt

Endfälliges Darlehen vs. Tilgungsdarlehen: Was sich in der Baufinanzierung wirklich lohnt

Stell dir vor, du baust dir dein Traumhaus. Du hast den Grundstein gelegt, die Pläne stehen, der Bauunternehmer ist bereit. Aber dann kommt die Frage: Wie bezahlst du das? Mit einem endfälligen Darlehen oder einem Tilgungsdarlehen? Beide klingen nach Bankensprech, aber sie bestimmen, ob du in zehn Jahren schlafend in deinem neuen Zuhause liegst - oder mit einer riesigen Rechnung aufwachst.

Was ist ein endfälliges Darlehen?

Ein endfälliges Darlehen ist ein Kredit, bei dem du während der gesamten Laufzeit nur die Zinsen zahlst. Die ganze Summe - also das Geld, das du geliehen hast - kommt erst am Ende auf einmal auf dich zu. Keine monatliche Tilgung. Keine Reduzierung der Schuld. Nur Zinsen. Monat für Monat. Jahr für Jahr.

Beispiel: Du borgst dir 200.000 Euro für dein Haus. Der Zinssatz liegt bei 2 %. Dann zahlst du monatlich genau 333,33 Euro Zinsen. Nicht mehr, nicht weniger. Die 200.000 Euro? Die musst du nach 20 oder 25 Jahren auf einmal zurückzahlen. Woher? Dafür brauchst du einen Tilgungsträger. Das kann eine Kapitallebensversicherung sein, ein Bausparvertrag oder Wertpapiere. Der Gedanke: Die sparen sich das Geld für dich. Am Ende hast du den Betrag - und kannst ihn nutzen, um das Darlehen zu begleichen.

Doch hier liegt der Hase im Pfeffer. Was, wenn die Versicherung nicht das verspricht, was sie verspricht? Was, wenn die Aktienkurse fallen? Was, wenn du plötzlich krank wirst und die Beiträge nicht mehr zahlen kannst? Dann bleibt dir nur eine Option: Du musst das Geld selbst aufbringen. Und das kann leicht 15.000, 30.000 oder mehr Euro sein. Ein Nutzer aus der ImmobilienScout24-Community berichtet: „Ich hatte eine Lebensversicherung als Sicherheit. Die hat 15.000 Euro weniger abgeworfen als geplant. Jetzt muss ich selbst zahlen.“

Die Vorteile? Niedrige monatliche Belastung. Ideal, wenn du gerade startest, dein Einkommen noch nicht stabil ist oder du als Investor eine Immobilie kaufst, die du später verkaufen willst. Und steuerlich? Die Zinsen kannst du als Betriebsausgabe absetzen - besonders attraktiv für gewerbliche Investoren. Aber: Die Gesamtkosten sind höher. Weil du das Geld die ganze Zeit behältst, berechnet die Bank höhere Zinsen. Und du trägst das volle Risiko, dass der Tilgungsträger nicht funktioniert.

Was ist ein Tilgungsdarlehen?

Beim Tilgungsdarlehen zahlst du jeden Monat einen festen Betrag, der zuerst hauptsächlich aus Zinsen besteht - aber mit der Zeit immer mehr aus Tilgung. Die Zinsen sinken, weil die Schuld kleiner wird. Die Tilgung bleibt gleich. Die Gesamtrate sinkt also monatlich.

Beispiel: Du nimmst 200.000 Euro auf, mit einer Tilgung von 1,5 % pro Jahr (also 2.500 Euro pro Jahr, oder 208,33 Euro pro Monat) und 2 % Zinsen. Anfangs zahlst du 208,33 Euro Tilgung plus 333,33 Euro Zinsen = 541,66 Euro. Nach 10 Jahren ist die Schuld auf 160.000 Euro gesunken. Die Zinsen sinken auf 266,67 Euro. Deine Rate: 208,33 + 266,67 = 475 Euro. Am Ende zahlst du nur noch Tilgung - keine Zinsen mehr.

Diese Form ist die klassische Wahl für private Bauherren - und auch für gewerbliche Investoren. Warum? Weil du deine Schuld kontinuierlich abbaut. Du weißt: Jedes Jahr bin ich ein bisschen freier. Keine Überraschung am Ende. Keine große Summe, die du plötzlich aufbringen musst. Und: Du hast weniger Zinsen insgesamt gezahlt als beim endfälligen Darlehen.

Der Nachteil? Die anfängliche Belastung ist höher. Für junge Familien mit wenig Einkommen kann das eine Hürde sein. Die BAKA Berlin warnt: „Viele Bauherren haben sich eine zu hohe Schuld aufgeladen.“ Wenn dann die Kinder kommen, der Job weg ist oder die Heizkosten steigen - dann wird es eng. Deshalb empfehlen Finanzberater: Die monatliche Rate sollte nicht mehr als 35 % deines Nettoeinkommens betragen.

Zwei Wege: einer mit sinkender Schuldenwolke und wachsendem Baum, der andere mit einem riesigen, bedrohlichen Schuldenballon.

Die Zahlen im Vergleich: Was kostet was?

Ein klarer Vergleich macht den Unterschied sichtbar. Nehmen wir einen Kredit von 200.000 Euro mit 25 Jahren Laufzeit und 2 % Zinsen.

Vergleich: Endfälliges Darlehen vs. Tilgungsdarlehen (200.000 €, 25 Jahre, 2 % Zinsen)
Aspekt Endfälliges Darlehen Tilgungsdarlehen (1,5 % Tilgung)
Monatliche Zinsen 333,33 € (konstant) 333,33 € (anfangs), sinkt auf 0 €
Monatliche Tilgung 0 € 250 € (konstant)
Monatliche Gesamtbelastung 333,33 € 583,33 € (anfangs), sinkt auf 250 €
Gesamtzinsen über 25 Jahre 100.000 € 68.000 €
Restschuld nach 25 Jahren 200.000 € 0 €
Notwendige Sicherheit Ja - Kapitallebensversicherung, Bausparvertrag, Wertpapiere Nein

Die Differenz ist massiv. Beim endfälligen Darlehen zahlst du 32.000 Euro mehr an Zinsen. Und am Ende hast du immer noch die volle Summe zu zahlen. Beim Tilgungsdarlehen bist du schuldenfrei - und hast 32.000 Euro gespart. Das ist nicht nur ein finanzieller Vorteil. Das ist Sicherheit.

Warum das endfällige Darlehen immer seltener wird

In den 2000er-Jahren war das endfällige Darlehen beliebt. Die Zinsen waren niedrig, die Immobilienpreise stiegen, und viele glaubten: „Ich verkaufe die Wohnung später - dann ist das Geld da.“ Doch die Finanzkrise 2008 hat gezeigt: Immobilien steigen nicht immer. Und wenn sie fallen, bleibt die Schuld - und die Sicherheit ist wertlos.

Die Deutsche Bundesbank hat 2021 dokumentiert: In der Krise stieg die Insolvenzquote bei privaten Immobilienbesitzern mit endfälligen Darlehen deutlich. Warum? Weil die Kapitallebensversicherungen nicht das versprochene Geld abwarfen. Die Bausparverträge waren nicht ausreichend aufgestockt. Die Wertpapiere verloren an Wert.

Dann kam die BaFin. Seit 2023 muss der Tilgungsträger mindestens 110 % der Kreditsumme abdecken. Das bedeutet: Wenn du 200.000 Euro borgst, musst du 220.000 Euro an Sicherheit aufbauen. Das macht das endfällige Darlehen teurer - und komplizierter. Die Commerzbank hat ihr Angebot für Privatkunden 2023 eingestellt. Die Deutsche Bank bietet nur noch mit flexiblen, streng geprüften Tilgungsträgern an.

Der Marktanteil ist von 5 % auf unter 3 % gesunken - und wird bis 2025 weiter fallen. Experten wie Dr. Markus Frick von Finanztip warnen: „Nur erfahrene Investoren mit klarem Exit-Plan sollten das nutzen. Für Privatleute ist es ein Risiko, das kaum jemand versteht.“

Waage mit zwei Häusern: eines friedlich und schuldenfrei, das andere unter Ketten aus Zinsen und Risiken.

Wann ist das Tilgungsdarlehen die bessere Wahl?

Wenn du ein Eigenheim baust - und es für dich und deine Familie bewohnen willst - dann ist das Tilgungsdarlehen die klare Wahl. Du baust Schritt für Schritt deine Freiheit auf. Du zahlst weniger Zinsen. Du hast keine Überraschung am Ende. Du kannst dich auf deine Zukunft verlassen.

Und auch für gewerbliche Investoren ist es oft die bessere Option. Warum? Weil die Tilgungsraten steuerlich als Abschreibung gelten. Du kannst sie von deinem Gewinn abziehen. Das reduziert deine Steuerlast. Ein Finanzjournalist im Handelsblatt schrieb: „Die gleichbleibenden Tilgungsraten entsprechen den Abschreibungen - perfekt für Unternehmer.“

Die Nachteile? Ja, die anfängliche Belastung ist höher. Aber: Du kannst sie planen. Du kannst sie mit deinem Einkommen abgleichen. Und wenn du später mehr Geld hast - du kannst jederzeit Sondertilgungen machen. Beim endfälligen Darlehen? Fast unmöglich. Die Bank will den Tilgungsträger unberührt lassen.

Was solltest du tun?

Wenn du gerade in die Baufinanzierung einsteigst, frag dich:

  1. Willst du das Haus bewohnen - oder verkaufen?
  2. Wie sicher ist dein Einkommen? Kannst du monatlich 500-700 Euro mehr zahlen?
  3. Hast du eine klare Strategie, wie du die Endfälligkeit abdecken wirst - und was passiert, wenn der Tilgungsträger nicht funktioniert?
  4. Bist du bereit, 32.000 Euro mehr Zinsen zu zahlen, nur um jetzt weniger zu zahlen?

Wenn du nicht mit einer klaren Antwort auf die letzte Frage antworten kannst - dann wähle das Tilgungsdarlehen. Es ist die sicherere, günstigere, einfachere Wahl. Die meisten Banken empfehlen es auch - weil sie wissen: Es bringt dich nicht in die Schuldenfalle.

Ein Nutzer auf Reddit schrieb: „Wir haben nach 3 Jahren vom Tilgungsdarlehen auf ein Annuitätendarlehen umgeschuldet - weil die Anfangsbelastung zu hoch war. Aber wir haben nie bereut, nicht das endfällige genommen zu haben. Wir haben keine Angst vor einer Rechnung, die uns eines Tages umhaut.“

Die Baufinanzierung ist kein Spiel mit Zufall. Sie ist eine langfristige Entscheidung. Und die beste Entscheidung ist die, die dich nicht nach 20 Jahren in der Nacht wach macht - weil du dich fragst: „Wie soll ich das bezahlen?“

Kann ich ein endfälliges Darlehen auch ohne Tilgungsträger bekommen?

Nein. Seit Januar 2023 schreibt die BaFin vor, dass der Tilgungsträger mindestens 110 % der Kreditsumme abdecken muss. Ohne Kapitallebensversicherung, Bausparvertrag oder Wertpapiere mit ausreichendem Wert bekommst du kein endfälliges Darlehen. Die Banken prüfen das sehr genau - und lehnen ab, wenn die Sicherheit nicht passt.

Warum sind die Zinsen beim endfälligen Darlehen höher?

Weil die Bank das Risiko trägt, dass du am Ende nicht zahlen kannst. Während du bei einem Tilgungsdarlehen nach und nach deine Schuld reduzierst, bleibt beim endfälligen Darlehen die volle Summe 20 oder 25 Jahre lang als Risiko auf dem Buch. Deshalb verlangt die Bank höhere Zinsen - als Ausgleich für das höhere Risiko.

Ist ein endfälliges Darlehen steuerlich immer vorteilhaft?

Für gewerbliche Investoren: Ja, die Zinsen sind als Betriebsausgaben absetzbar. Für private Bauherren: Nein. Wenn du das Haus bewohnst, kannst du die Zinsen nicht absetzen. Und: Die Bundesregierung erwägt, diese steuerlichen Vorteile abzuschaffen. Experten warnen: Der steuerliche Vorteil ist nicht mehr sicher - das Risiko aber schon.

Was passiert, wenn ich das endfällige Darlehen nicht zurückzahlen kann?

Dann verliert die Bank das Geld. Und du verlierst deine Immobilie. Die Bank kann die Immobilie zwangsversteigern, um ihre Forderung zu decken. Das ist kein Theorie-Szenario - das passiert. In der Finanzkrise wurden Tausende Immobilien so versteigert. Die Bank hat Vorrang - du hast keine.

Kann ich später von einem endfälligen Darlehen auf ein Tilgungsdarlehen wechseln?

Ja, das ist möglich - aber teuer. Du musst das bestehende Darlehen ablösen und ein neues aufnehmen. Das kostet Gebühren, Notarkosten, eventuell Vorfälligkeitsentschädigung. Und: Du brauchst eine neue Bonitätsprüfung. Viele Nutzer, die das versucht haben, sagen: „Es war stressiger und teurer als gedacht.“ Besser: Von Anfang an das richtige Darlehen wählen.