Fensteranschlag bei Außendämmung: Warum das so wichtig ist
Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre alte Fassade saniert, 14 Zentimeter Dämmung draufgebracht, und jetzt wirkt Ihr Haus modern, warm und energieeffizient. Aber die Fenster? Die hängen wie alte Schießscharten in der Wand - tief eingeschnitten, mit kalten Luftströmen, die durch die Ritzen ziehen. Das ist kein Einzelfall. Laut der Deutschen Energie-Agentur (dena) haben bis zu 60 % aller Sanierungsprojekte Probleme mit dem Fensteranschlag. Und das, obwohl diese Stelle die größte Wärmebrücke im ganzen Haus sein kann. Bis zu 30 % aller Wärmeverluste entstehen hier. Kein Wunder, dass das Gebäudeenergiegesetz (GEG) seit 2020 strenge Regeln für Fensteranschlüsse vorschreibt.
Der Grund ist einfach: Wenn Sie Außenwände dämmen, bleibt das Fenster an seiner alten Stelle. Aber die Wand wird dicker. Das Fenster rutscht jetzt in eine tiefe Nische, die nicht mehr gedämmt ist. Diese Lücke kühlt aus, kondensiert, und wird zur Baustelle für Schimmel. Das ist nicht nur ungesund - es ist auch teuer. Denn je schlechter der Anschluss, desto mehr Heizenergie verpufft. Und das Geld, das Sie durch die Dämmung sparen wollten, fließt einfach aus den Fenstern.
Die drei wichtigsten Regeln für einen fehlerfreien Fensteranschlag
Es gibt drei Dinge, die Sie bei jedem Fensteranschlag bei Außendämmung beachten müssen - sonst läuft alles schief.
- Die Fuge muss richtig groß sein. Nach DIN 18202 darf die Einbaufuge zwischen Fensterrahmen und Wand nicht kleiner als 10 mm sein, aber auch nicht größer als 30 mm. Zu eng? Dann kann der Monteur die Dämmung nicht richtig einbringen. Zu weit? Dann wird der Montageschaum zum Problem - er reißt, verliert seine Dichtigkeit, und wird von UV-Licht angegriffen. Das ist kein Dämmstoff, das ist eine Falle.
- Die Abdichtung muss dreischichtig sein. Außen: schlagregendicht. Mittig: wärmedämmend. Innen: luftdicht. Das ist kein Vorschlag - das ist Pflicht. Und es muss innen dichter als außen sein. Sonst kondensiert die Feuchtigkeit in der Dämmung. Das führt zu Schimmel, Holzschäden und zum Totalverlust der Dämmwirkung. Silikon allein reicht nicht. Montageschaum allein reicht nicht. Sie brauchen spezielle Abschlussbänder, wie VKB-Compribänder, die flexibel bleiben und sich mit der Wand ausdehnen.
- Die Dämmung muss den Rahmen umschließen. Der Blendrahmen sollte mindestens bis zur Hälfte in die Dämmung hineinragen. So wird die Wärmebrücke minimal. Wer das Fenster einfach an die Außenkante der Dämmung setzt, spart sich Arbeit - aber nicht Energie. Die Laibung bleibt kalt. Und das ist der größte Fehler in 8 von 10 Fällen.
Innenanschlag vs. stumpfer Anschlag: Was wirklich besser ist
Es gibt zwei Hauptmethoden, wie man Fenster bei Außendämmung anbringt. Der stumpfe Anschlag - das ist, wenn der Fensterrahmen einfach an der Außenkante der Dämmung sitzt. Und der Innenanschlag - da wird der Blendrahmen von der Dämmung überdeckt, wie ein Dachüberstand.
Die Fachhochschule Münster hat das genau gemessen. Ergebnis: Der Innenanschlag hat einen Wärmebrückenverlustkoeffizienten von nur 0,02 W/mK. Der stumpfe Anschlag liegt bei 0,031 W/mK. Das ist ein Unterschied von 35 %. Das bedeutet: Bei gleicher Dämmstärke und gleichem Fenster verbraucht ein Haus mit stumpfem Anschlag fast ein Drittel mehr Heizenergie. Und das, obwohl der Aufwand kaum größer ist.
Warum ist das so? Beim Innenanschlag wird die Fuge zwischen Fenster und Wand in zwei Schichten gedämmt: erst die Außenlaibung, dann die Innenlaibung. So wird die Kälte von außen abgefangen, bevor sie den Rahmen erreicht. Außerdem wird die Fensterbank besser geschützt - Regen kann nicht so leicht unter die Kante dringen. Und optisch? Die Fassade wirkt sauber, die Fenster sitzen nicht wie eingeklemmt, sondern wie Teil der Wand.
Der einzige Nachteil: Sie müssen die Innenlaibungen nachträglich anpassen. Das kostet Zeit und Geld. Aber im Vergleich zu den Heizkosten, die Sie sparen, ist das eine gute Investition.
Was tun, wenn die Laibung zu tief ist? Schießscharten beseitigen
Ein Altbau aus den 70er-Jahren mit 14 cm Außenwanddämmung? Die Fensteröffnungen sind oft 20 bis 30 cm tiefer als die neue Fassade. Das ist eine Schießscharte. Und die ist energetisch ein Albtraum.
Die einfachste Lösung? Füllen. Mit wärmedämmendem Mörtel, mit EPS-Platten, mit mineralischem Dämmputz. Aber nicht einfach draufklotzen. Die Dämmung muss nahtlos an die neue Fassade anschließen. Und sie muss mindestens 6 cm dick sein - sonst bleibt eine Kältebrücke. Ein Handwerker braucht dafür durchschnittlich 3,5 Stunden pro Fenster. Das klingt viel, aber es ist notwendig.
Ein cleverer Trick: Vorbaurolladenkästen. Die werden vor die Fensteröffnung montiert, dann verputzt. Sie verdecken die tiefe Laibung komplett, und geben gleichzeitig Platz für einen Rolladen. Laut Fenster-Schmidinger haben 87 % der Kunden mit diesem Ansatz zufrieden gestellt. Keine sichtbaren Kanten, keine kalten Ecken, kein Schimmel. Und die Kosten? Einmalig, aber im Vergleich zu einer kompletten Innenrenovierung günstig.
Was Sie unbedingt vermeiden müssen
Es gibt Fehler, die fast jeder macht - und die fast jeder bereut.
- Montageschaum als alleinige Abdichtung. Das ist ein No-Go. Schaum ist nicht UV-beständig. Er wird brüchig, reißt, und lässt Luft und Feuchtigkeit durch. Die dena warnt ausdrücklich davor.
- Silikon allein verwenden. Silikon ist elastisch, aber nicht dämmend. Es hält die Luft nicht zurück, und es leitet Wärme. Es ist ein Füllstoff, kein Abdichtungsmittel.
- Die Perimeterdämmung ignorieren. Das ist die Dämmung direkt um den Fensterrahmen herum. Wer sie weglässt, verliert bis zu 20 % des gesamten Einsparpotenzials. Das hat der Bauphysiker Thomas Müller von der TU München in einem Vortrag klar gesagt.
- Die thermische Ausdehnung vergessen. Fensterbänke, besonders lange, dehnen sich bei Wärme aus. Wenn sie starr verankert sind, biegen sie sich. Das reißt die Abdichtung. Lösung: Flexible Abschlussprofile verwenden, die Bewegungen aufnehmen.
- Do-it-yourself versuchen. Die dreischichtige Abdichtung ist kein Handwerkerjob für Anfänger. Die Kombination aus Dämmung, Dichtigkeit und Luftdichtigkeit erfordert Erfahrung. Die dena rät ausdrücklich dazu, nur zertifizierte Fachbetriebe mit Q-Zert-Zertifizierung zu beauftragen.
Die Zukunft: Was sich 2025 ändern wird
Die Anforderungen werden nicht weniger, sondern mehr. Das GEG wird weiter verschärft. Ab 2025 soll es einen standardisierten Prüfprozess für Fensteranschlüsse geben - wie eine Art TÜV für Fenster. Wer das nicht erfüllt, bekommt keine Förderung mehr von der KfW.
Die EU-Gebäuderichtlinie verlangt bis 2030, dass alle Sanierungen nahezu wärmebrückenfrei sind. Das bedeutet: Fenster müssen in der Dämmebene sitzen - nicht davor, nicht dahinter. Das ist der Goldstandard. Das Passivhaus-Institut in Darmstadt sagt: Nur so lassen sich Wärmebrücken vollständig vermeiden.
Und es gibt neue Materialien. Forscher vom Fraunhofer IBP arbeiten an Dämmstoffen mit noch niedrigerer Wärmeleitfähigkeit. Das bedeutet: In Zukunft könnte man mit nur 8 cm Dämmung das gleiche Ergebnis erzielen wie heute mit 14 cm. Das macht Schießscharten einfacher zu lösen - und die Sanierung günstiger.
Aber es gibt ein großes Problem: Die Handwerker. Nur 35 % der Fensterbauer haben heute das nötige Wissen. Und das wird sich nicht von allein ändern. Wer jetzt nicht aufsteht und sich weiterbildet, wird in zwei Jahren nicht mehr am Markt sein.
Was Sie jetzt tun sollten
Wenn Sie planen, Ihre Fassade zu dämmen, dann machen Sie es richtig von Anfang an. Prüfen Sie die Fensteranschlüsse als ersten Schritt. Fragen Sie Ihren Handwerker:
- Wird der Blendrahmen in die Dämmung eingebaut?
- Welche Abdichtungsmaterialien verwenden Sie?
- Wie wird die Perimeterdämmung um den Rahmen herum ausgeführt?
- Haben Sie die Q-Zert-Zertifizierung?
Und wenn Sie schon gedämmt haben und die Fenster hängen wie Schießscharten? Dann zögern Sie nicht. Die Kosten für eine Nachrüstung sind heute noch niedrig - vor allem, weil Fördermittel von der KfW noch verfügbar sind. Die Preise für Dämmstoffe sind seit 2022 um 28 % gestiegen. Je länger Sie warten, desto teurer wird es.
Ein guter Fensteranschlag ist kein Luxus. Er ist die Voraussetzung dafür, dass Ihre Dämmung überhaupt funktioniert. Ohne ihn ist die gesamte Sanierung ein teurer Fehler. Mit ihm wird Ihr Haus nicht nur wärmer - es wird auch gesünder, ruhiger und wertvoller.
Was ist der beste Fensteranschlag bei Außendämmung?
Der beste Fensteranschlag ist der Innenanschlag, bei dem der Blendrahmen in die Dämmung hineinragt und von der Dämmung überdeckt wird. So wird die Wärmebrücke minimiert, die Abdichtung ist robuster, und die Fenster wirken optisch integriert. Die Fachhochschule Münster hat gezeigt, dass dieser Ansatz bis zu 35 % weniger Wärmeverlust verursacht als der stumpfe Anschlag.
Warum ist Montageschaum bei Fensteranschlüssen verboten?
Montageschaum ist nicht UV-beständig und wird im Laufe der Zeit brüchig. Er reißt, lässt Luft und Feuchtigkeit durch, und verliert seine Dichtigkeit. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) warnt ausdrücklich davor, ihn als alleinige Abdichtung zu verwenden. Er darf nur als Ergänzung zu witterungsbeständigen Dichtungsbändern eingesetzt werden.
Wie dick muss die Dämmung um das Fenster herum sein?
Die Dämmung um den Fensterrahmen - die sogenannte Perimeterdämmung - sollte mindestens 6 cm dick sein, besser 8-10 cm. Das ist die Mindestanforderung, um Wärmebrücken wirksam zu vermeiden. Bei einer Außenwanddämmung von 12-14 cm sollte die Laibungsdämmung mindestens die Hälfte der Dämmstärke erreichen.
Kann ich den Fensteranschlag selbst machen?
Nein. Die dreischichtige Abdichtung - schlagregendicht, wärmedämmend, luftdicht - erfordert Fachwissen, Erfahrung und spezielle Materialien. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) rät ausdrücklich davon ab, das selbst zu machen. Falsch installierte Anschlüsse führen zu Schimmel, Feuchtigkeitsschäden und hohen Heizkosten. Beauftragen Sie nur zertifizierte Fachbetriebe mit Q-Zert-Zertifizierung.
Welche Fördermittel gibt es für Fensteranschlüsse bei Außendämmung?
Die KfW fördert Fenster- und Fassadensanierungen mit bis zu 30 % Zuschuss, wenn die energetischen Anforderungen des GEG erfüllt werden. Dazu gehört auch ein fachgerechter Fensteranschlag. Die Förderung ist nur möglich, wenn ein Energieberater die Maßnahme bestätigt und die Arbeiten von einem zertifizierten Handwerker ausgeführt werden.
Geschrieben von Jens Schreiber
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