Feuchtraum-Elektro im Bad: Die wichtigsten Normen und Sicherheitsregeln 2026

Feuchtraum-Elektro im Bad: Die wichtigsten Normen und Sicherheitsregeln 2026

Warum das Bad die gefährlichste Zone für Elektrik ist

Im Bad passieren die meisten elektrischen Unfälle im Haushalt. Kein anderer Raum hat so viele Faktoren, die den menschlichen Körper anfälliger für Stromschläge machen: nasse Haut, barfuß laufen, hohe Luftfeuchtigkeit und direkter Kontakt mit Wasser. Das macht das Bad nicht nur zum Ort der Entspannung, sondern auch zur größten elektrischen Risikozone in jeder Wohnung. Die Norm DIN VDE 0100-701 ist die maßgebliche Vorschrift für alle Elektroinstallationen in Bädern, Duschräumen und Nassbereichen in Deutschland. Die aktuelle Fassung DIN VDE 0100-701:2025-06 trat am 1. Juni 2025 in Kraft und ist die Grundlage für jede sichere Badrenovierung.

Die drei Schutzbereiche - klar definiert, entscheidend für die Sicherheit

Die Norm teilt den Badraum in drei Zonen ein, jede mit eigenen Regeln. Wer diese nicht kennt, baut unsicher - und das kann tödlich sein.

  • Schutzbereich 0: Der direkte Wasserbereich - also die Innenseite der Badewanne oder Dusche, inklusive Bodenfläche. Hier ist nur Strom mit maximal 12 Volt Wechselspannung oder 30 Volt Gleichspannung erlaubt. Das bedeutet: Nur Geräte mit SELV (Sicherheitsniederspannung). Die Stromquelle muss außerhalb liegen. Die Schutzart muss mindestens IPX7 (kann kurzfristig in Wasser getaucht werden) betragen. Alles andere ist verboten - keine Steckdosen, keine normale Beleuchtung.
  • Schutzbereich 1: Der Bereich über der Wanne oder Dusche bis 2,25 Meter Höhe und bis 1,20 Meter vom Wasserauslass entfernt. Auch hier gilt: Nur SELV mit 12 V AC / 30 V DC. Die Schutzart sollte IPX5 sein (gegen Strahlwasser geschützt), nicht nur IPX4. Viele installieren IPX4-Leuchten, weil sie billiger sind - das ist ein häufiger Fehler. Ein Kurzschluss durch Wasserspritzer kann hier 1.200 Euro Schaden verursachen, wie ein Fall in einem Online-Forum belegt.
  • Schutzbereich 2: Ein 60-Zentimeter-Bereich um Schutzbereich 1 herum. Hier dürfen Leuchten mit mindestens IPX4 installiert werden. Bei Duschsystemen mit Massagedüsen oder Whirlpools ist IPX5 Pflicht. Steckdosen sind erlaubt - aber nur, wenn sie mit einem FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung Typ A mit max. 30 mA) gesichert sind. Ohne FI - kein Strom.

Alles außerhalb von Bereich 2 gilt als Trockenbereich - hier gelten die normalen Hausregeln. Aber: Der Übergang zwischen den Zonen ist oft unscharf. Ein Duschbereich ohne Wand oder Tür? Dann muss der gesamte Bereich als Schutzbereich 1 oder 2 behandelt werden. Das ist kein Spielraum - das ist Gesetz.

FI-Schutzschalter - die unsichtbare Rettung

Alle Stromkreise im Bad müssen mit einem Fehlerstrom-Schutzeinrichtung Typ A (FI) mit einer Auslösestromstärke von höchstens 30 Milliampere gesichert sein. Das ist nicht optional. Das ist die letzte Sicherheitslinie. Selbst wenn alle anderen Regeln eingehalten werden, ohne FI ist die Installation nicht normkonform. Die Unfallkasse Nord hat nach der Einführung der Schutzbereiche einen Rückgang elektrischer Unfälle im Bad um 67% gemessen - das liegt vor allem am FI.

Warum 30 mA? Weil ab etwa 50 mA Stromfluss durch den Körper lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen eintreten können. Ein FI schaltet innerhalb von 0,03 Sekunden ab - schneller, als dein Körper einen Schlag spürt. Einige Hausbesitzer denken: „Ich hab doch einen Hauptschalter.“ Nein. Ein normaler Leitungsschutzschalter (LS) reicht nicht. Nur ein FI erkennt, wenn Strom ins Wasser oder in den Boden fließt - und nicht nur, wenn die Leitung überlastet ist.

Technische Zeichnung eines Bades mit Schutzbereichen, IP-Ratings und FI-Schutzschalter, der bei einem Fehlerstrom abschaltet.

Was darf wo? - Praktische Beispiele für die Renovierung

Was darf in welchem Schutzbereich installiert werden?
Gerät / Installation Schutzbereich 0 Schutzbereich 1 Schutzbereich 2 Außerhalb
Badewannen- oder Duschleuchte Nicht erlaubt SELV, IPX5 IPX4 oder IPX5 Normale Leuchte
Steckdose Nicht erlaubt Nicht erlaubt Mit FI (30 mA) Ja, ohne Einschränkung
Wärmepumpe / Warmwasserbereiter Nicht erlaubt Nicht erlaubt Ja, mit FI Ja
Elektrische Zahnbürste / Rasierer Nicht erlaubt Nicht erlaubt Ja, mit FI Ja
Wasseranschluss für Duschpumpe SELV, IPX7 SELV, IPX5 IPX5, mit FI Normale Installation

Ein häufiger Fehler: Menschen denken, eine LED-Leuchte mit IP44 in Schutzbereich 1 sei okay. Aber IP44 schützt nur vor Spritzwasser von oben - nicht vor Strahlwasser aus der Dusche. IPX5 ist der Standard. Und: Die Leuchte muss so montiert sein, dass kein Wasser direkt auf die Elektronik trifft. Ein falscher Winkel - und schon ist der Schutz hinfällig.

Die größten Fehler bei Badrenovierungen - und wie du sie vermeidest

Die VDE-Prüfstelle hat 500 Installationen analysiert. Die Ergebnisse sind erschreckend klar:

  1. Falsche Schutzbereichseinteilung (58%): Die meisten Laien und sogar einige Handwerker verstehen die Abstände nicht. Ein Duschbereich ohne Wand wird als „Trockenraum“ eingestuft - falsch. Hier gilt: Wenn Wasser spritzt, ist es Schutzbereich 1 oder 2.
  2. Unzureichende IP-Schutzart (29%): IP44 statt IPX5 in Schutzbereich 1 ist der häufigste technische Fehler. Das führt zu Kurzschlüssen, Korrosion und Brandgefahr.
  3. Fehlender FI-Schutzschalter (13%): Trotz aller Warnungen wird der FI oft weggelassen, weil er „teuer“ ist. Ein FI kostet 80-150 Euro - ein menschliches Leben ist unbezahlbar.

Was du tun kannst: Mach eine Skizze deines Bads. Zeichne die Wanne, die Dusche, den Wasserauslass ein. Zeichne dann 1,20 Meter um den Auslass herum - das ist der Rand von Schutzbereich 1. 60 Zentimeter weiter draußen beginnt Bereich 2. Markiere alles. Dann überprüfe jede Steckdose, jede Leuchte, jedes Gerät. Wenn du unsicher bist - ruf einen Elektriker. Die Verbraucherzentrale hat festgestellt: 92 % der fehlerhaften Installationen wurden von Laien vorgenommen.

Konzeptuelles Bild eines Menschen unter der Dusche, umgeben von unsichtbaren Sicherheitszonen mit verbotenen und sicheren Geräten.

Die Kosten - lohnt sich die Einhaltung der Norm?

Ja. Ein Elektroinstallateur aus Köln sagt: „Eine komplette Badrenovierung nach Norm kostet durchschnittlich 1.850 Euro mehr als ohne.“ Das klingt viel. Aber:

  • Ein FI-Schutzschalter kostet 120 Euro - und rettet Leben.
  • IPX5-Leuchten kosten 30-50 Euro mehr als IPX4 - aber sie halten 10 Jahre, nicht 2.
  • Ein Kurzschluss durch falsche Installation kann 5.000 Euro Wasserschaden verursachen - und deine Versicherung zahlt nicht, wenn die Installation nicht normkonform ist.

Die Norm ist nicht teuer - sie ist eine Investition in Sicherheit und Wert. Ein Haus mit normkonformer Elektroinstallation hat einen höheren Wiederverkaufswert. Und: Die Versicherung akzeptiert keine Ansprüche, wenn du gegen die DIN VDE 0100-701 verstoßen hast.

Neue Entwicklungen 2026 - Smart Home im Bad

Die Norm wurde 2025 aktualisiert - aber sie ist noch nicht fertig. Die Integration von Smart-Home-Technologien ist das nächste große Problem. Smarte Spiegel, WLAN-Lautsprecher, Sprachsteuerung, Ladesysteme für elektrische Rasierer - all das schafft neue Risiken. Datenleitungen und Funktechnik können Stromstörungen verursachen, die die FI-Schutzschalter irritieren.

Prof. Birgit Vogel-Heuser von der TU München warnt: „Die Norm ist technisch robust, aber sie ignoriert die digitale Revolution im Bad.“ Der VDE hat für 2026 eine Überarbeitung angekündigt, die sich mit Ladestationen für Badgeräte beschäftigt. Bis dahin: Keine WLAN-Steckdosen oder Smart-Lichter in Schutzbereich 1 oder 2, wenn sie nicht explizit als SELV-zertifiziert sind. Und: Vermeide Funkgeräte direkt über der Dusche - das ist ein Risiko, das die Norm noch nicht abdeckt.

Was du jetzt tun solltest

Wenn du dein Bad renovierst, folge diesen 5 Schritten:

  1. Erstelle eine Schutzbereichsskizze. Nutze ein Blatt Papier oder eine App wie die kostenlose „VDE BadCheck“ vom VDE (über 45.000 Downloads seit 2024).
  2. Prüfe jede Leuchte, jede Steckdose, jedes Gerät. Welcher Schutzbereich ist es? Welche IP-Schutzart hat es? Ist es SELV?
  3. Installiere einen FI-Schutzschalter mit 30 mA. Keine Ausnahme. Nicht „wenn ich Zeit habe“. Jetzt.
  4. Verwende nur geprüfte Geräte. Kaufe keine Billigprodukte von Online-Marktplätzen. Suche nach dem VDE-Zeichen oder dem GS-Zeichen.
  5. Lass die Installation prüfen. Ein Elektriker mit einem FI-Schleifenprüfer misst, ob alles funktioniert - vor dem Einbau der Fliesen. Das kostet 100-150 Euro, spart aber Tausende.

Die Norm ist kein Hindernis. Sie ist dein Schutz. Sie wurde nicht erfunden, um Handwerker zu ärgern - sie wurde erfunden, um Menschen zu retten. Seit 1931, als die erste Vorschrift für Baderäume erschien, hat sich nichts Grundsätzliches geändert: Wasser und Elektrizität müssen strikt getrennt werden. Die Technik hat sich verändert - die Physik nicht.

Darf ich in meinem Bad eine normale Steckdose einbauen?

Nur in Schutzbereich 2 und nur, wenn sie mit einem FI-Schutzschalter (30 mA) gesichert ist. In Schutzbereich 0 und 1 ist das strikt verboten. Steckdosen dürfen auch nicht direkt über der Wanne oder Dusche installiert werden - selbst wenn sie außerhalb von Bereich 2 liegen. Der Abstand zum Wasserauslass muss mindestens 60 cm betragen.

Was bedeutet IPX5 genau?

IPX5 bedeutet, dass das Gerät gegen Wasserstrahlen aus jeder Richtung geschützt ist - also wie von einer Dusche. Das ist viel stärker als IPX4, das nur Spritzwasser abhält. In Schutzbereich 1 ist IPX5 nicht nur empfohlen - es ist der technische Standard, um sicherzustellen, dass keine Feuchtigkeit in die Elektronik eindringt. IPX4 reicht nicht aus, wenn du täglich unter der Dusche stehst.

Kann ich eine LED-Leuchte mit 230 Volt in der Dusche installieren?

Nein. In Schutzbereich 0 ist nur Strom mit maximal 12 Volt Wechselspannung oder 30 Volt Gleichspannung erlaubt. Das heißt: Nur spezielle SELV-Systeme. Eine normale 230-Volt-LED-Leuchte ist dort verboten - egal wie gut sie ist. Selbst wenn sie „wasserdicht“ wirkt - die Norm verbietet es. Die Gefahr ist zu groß. Ein Fehler kann tödlich sein.

Ist ein FI-Schutzschalter in der gesamten Wohnung nötig?

Nein. Die Norm verlangt nur, dass alle Stromkreise im Bad mit einem FI-Schutzschalter (max. 30 mA) gesichert sind. Du kannst einen separaten FI für das Bad einbauen - das ist sogar empfohlen. So bleibt der Rest der Wohnung bei einem Fehler im Bad nicht ohne Strom. Ein gemeinsamer FI für alle Räume ist nicht verboten, aber weniger sicher - denn wenn das Bad ausfällt, ist auch die Küche oder das Schlafzimmer dunkel.

Was passiert, wenn ich die Norm nicht einhalte?

Wenn du eine fehlerhafte Installation hast und es zu einem Unfall kommt, haftest du persönlich - auch wenn du der Eigentümer bist. Deine Haftpflichtversicherung kann die Leistung verweigern, wenn die Installation nicht normkonform ist. Bei einer Renovierung kannst du auch nicht mehr verkaufen, ohne die Elektroinstallation nachzuweisen. Und: Bei einer Versicherungsprüfung nach einem Schaden wird die Installation kontrolliert. Ein nicht normkonformer Badstromkreis ist kein Kleinigkeitsverstoß - das ist ein schwerer Verstoß gegen die Bau- und Sicherheitsvorschriften.