Wenn du deine alte Heizung austauschst, willst du nicht nur Geld sparen, sondern auch wärmer und komfortabler leben. Ein Heizungstausch auf Wärmepumpe ist heute die effizienteste und nachhaltigste Lösung für viele Häuser in Österreich und Deutschland. Doch wie viel Strom verbraucht sie wirklich? Und ist der Komfort wirklich besser als bei Gas oder Öl? Die Antworten sind klarer, als viele glauben.
Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe wirklich?
Ein häufiger Irrglaube: Wärmepumpen verbrauchen viel Strom - und deshalb seien sie teuer. Das stimmt nicht, wenn man den gesamten Kontext sieht. Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von 4,5 erzeugt aus 1 kWh Strom 4,5 kWh Wärme. Das ist kein Zauber, sondern Physik. Sie holt Wärme aus der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser - und verstärkt sie mit wenig Strom.Bei einem typischen Einfamilienhaus mit einem Heizenergiebedarf von 20.000 kWh pro Jahr ergibt das bei einer JAZ von 4 einen Stromverbrauch von 5.000 kWh. Klingt viel? Vergleiche das mit deiner alten Gasheizung: Die braucht 22.250 kWh Gas, um dieselbe Wärme zu liefern. Selbst bei günstigen Gaspreisen von 0,12 €/kWh kostet das 2.670 € im Jahr. Die Wärmepumpe mit Strom zu 0,36 €/kWh kommt auf 1.800 € - das ist eine Ersparnis von fast 900 € pro Jahr.
Die genaue Zahl hängt von drei Dingen ab: deiner Hausgröße, deiner Dämmung und der JAZ deiner Anlage. Ein gut gedämmtes Haus von 100 m² braucht etwa 2.700-4.200 kWh Strom pro Jahr. Ein altes, schlecht gedämmtes Haus kann leicht 6.000 kWh oder mehr verbrauchen - aber das liegt dann nicht an der Wärmepumpe, sondern an der Bausubstanz.
Warum die Jahresarbeitszahl (JAZ) alles entscheidet
Die JAZ ist der Schlüssel. Sie sagt dir, wie effizient deine Wärmepumpe im Jahresverlauf arbeitet. Ein Gerät mit JAZ 3,5 ist veraltet. Ein Gerät mit JAZ 5 ist Spitze. Die meisten neuen Modelle liegen zwischen 4 und 5,5. Ein Unterschied von 0,5 JAZ macht 10-15 % mehr Verbrauch aus - das sind hunderte Euro pro Jahr.Warum ist das so wichtig? Weil die JAZ von der Vorlauftemperatur abhängt. Je niedriger die Temperatur, mit der die Wärme ins Haus fließt, desto besser arbeitet die Pumpe. Das ist der Grund, warum Fußbodenheizungen ideal sind: Sie arbeiten mit 30-35 °C Vorlauftemperatur. Eine alte Heizkörperanlage braucht oft 60-70 °C - da sinkt die JAZ auf 3 oder darunter. Wer also seine Heizkörper nicht anpasst, verschenkt Effizienz.
Prof. Dr. Markus Braun von der TU München hat in seiner Studie gezeigt: Jede Reduzierung der Vorlauftemperatur um 10 °C steigert die JAZ um 0,5. Das bedeutet: Wenn du von 55 °C auf 45 °C gehst, sparest du 15 % Strom - ohne mehr Geld zu investieren.
Komfort: Leise, konstant, smart
Viele denken, Wärmepumpen sind kalt und ungemütlich. Das Gegenteil ist wahr. Sie arbeiten kontinuierlich - kein An- und Abschalten wie bei einer alten Gasheizung. Die Temperatur bleibt konstant, keine kalten oder überheizten Räume. Die Geräuschkulisse ist kaum wahrnehmbar: Die Außeneinheit macht weniger Lärm als ein Kühlschrank, die Inneneinheit ist fast lautlos.Smart-Home-Funktionen machen den Alltag einfacher. Du kannst die Heizung per App steuern, lernende Systeme passen sich deinem Lebensrhythmus an. Wenn du im Büro bist, senkt sie die Temperatur automatisch. Wenn du nach Hause kommst, ist es angenehm warm - ohne dass du etwas tun musst. Das ist Komfort, den du nicht mehr missen willst.
78 % der Nutzer auf Heizungsmarkt.de bewerten den Komfort mit 4 oder 5 Sternen. Ein Nutzer schrieb: „Seit dem Wechsel fühlt sich mein Haus an wie ein Spa. Keine plötzlichen Temperaturschwankungen, keine Geräusche, keine Angst vor dem nächsten Gaspreisanstieg.“
Die Kosten: Hohe Anfangsinvestition, niedrige laufende Kosten
Ja, der Austausch kostet. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation liegt bei durchschnittlich 20.000 €. Das klingt hoch - bis du die Förderung rechnest. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zahlt bis zu 6.000 € Zuschuss, wenn du eine effiziente Pumpe wählst und den hydraulischen Abgleich machen lässt.Die Amortisationszeit ist oft das größte Hindernis. Wer nur die Anschaffungskosten sieht, verliert den Überblick. Die echte Rechnung sieht so aus: Du sparst 800-1.200 € pro Jahr an Heizkosten. Wenn du 14.000 € nach Förderung investierst, amortisiert sich die Anlage in 12-18 Jahren. Und das ist ohne Berücksichtigung von steigenden Gaspreisen, Reparaturkosten der alten Heizung oder zukünftigen CO2-Preisen.
Ein Beispiel: Ein Nutzer in Graz hatte 2023 eine 12 Jahre alte Gasheizung mit jährlichen Reparaturkosten von 450 €. Nach dem Wechsel auf eine Wärmepumpe mit JAZ 4,8 sanken die Gesamtkosten (Strom + Wartung) auf 1.950 € - und die Reparaturkosten sind weg. Die Amortisation liegt jetzt bei unter 10 Jahren.
Was schiefgehen kann - und wie du es vermeidest
Nicht jeder Heizungstausch läuft glatt. Die häufigsten Fehler sind:- Unterdimensionierte Anlage: Zu kleine Wärmepumpen schalten oft ein und aus - das verschwendet Energie und belastet die Technik. In einem Fall musste ein Haushalt im Januar 2023 mit Stromstäben nachheizen, weil die Pumpe nicht ausreichte. Die Lösung: Ein neues, größeres Modell. Die Kosten: 5.000 € mehr - aber die Einsparungen sind jetzt stabil.
- Kein hydraulischer Abgleich: Ohne Abgleich fließt die Wärme ungleichmäßig. Bis zu 10 % der Energie gehen verloren. Das ist Pflicht - und oft wird es von Installateuren verschwiegen. Frag danach.
- Alte Heizkörper unverändert: Wenn du deine alten Heizkörper behältst, musst du die Vorlauftemperatur hochdrehen - und die JAZ sinkt. Tausche sie gegen größere oder moderne Modelle aus - das ist die beste Investition neben der Pumpe selbst.
- Keine Bedienungserklärung: Moderne Wärmepumpen haben viele Funktionen. Wer sie nicht versteht, nutzt sie falsch. Ein Einarbeitungsgespräch mit dem Installateur (2-3 Stunden) ist unverzichtbar.
Die Zukunft: Wärmepumpe + Photovoltaik = Superkombi
Der größte Hebel für noch mehr Einsparungen ist die Kombination mit Photovoltaik. Wer eine 8-10 kWp Solaranlage auf dem Dach hat, kann bis zu 40 % des Wärmepumpenstroms selbst erzeugen. Das senkt die jährlichen Stromkosten um weitere 25-30 %. In Graz und Umgebung ist das heute realistisch: Die Sonneneinstrahlung reicht, und die Speichertechnik ist preiswert geworden.Ab 2024 gibt es zudem spezielle Stromtarife für Wärmepumpen-Nutzer. Die Netzbetreiber bieten Nachtstrom mit bis zu 50 % Rabatt an - ideal, wenn deine Pumpe nachts läuft. Das macht den Betrieb noch günstiger als Gas.
Die Bundesregierung und Energieexperten sehen Wärmepumpen als zentrale Säule der Wärmewende. Bis 2030 könnten 80 % aller neuen Heizungen Wärmepumpen sein. Wer jetzt wechselt, ist nicht nur sparsam - er ist zukunftssicher.
Was du jetzt tun solltest
1. Berechne deinen aktuellen Heizenergiebedarf: Schau auf deine letzten Gas- oder Ölrechnungen. Teile den Verbrauch durch 10, um grob den Strombedarf deiner Wärmepumpe zu schätzen. 2. Prüfe deine Heizkörper: Sind sie groß genug? Wenn du bei 70 °C Vorlauftemperatur immer noch nicht warm genug hast, brauchst du neue oder größere Heizkörper. 3. Finde einen zertifizierten Installateur: Frag nach JAZ-Werten, hydraulischem Abgleich und Bedienungserklärung. Ein guter Installateur macht das alles - und erklärt es dir. 4. Berechne die Förderung: Gehe auf die BAFA-Website und nutze den Förderrechner. Du bekommst bis zu 6.000 € - das ist fast ein Viertel der Kosten. 5. Denke an Photovoltaik: Wenn du ein neues Dach oder eine Dachsanierung planst, kombiniere es mit Solar. Die Kombi macht dich fast unabhängig von Strompreisen.Der Heizungstausch auf Wärmepumpe ist kein Luxus - er ist die logische Fortsetzung der Energiewende im eigenen Zuhause. Wer jetzt wechselt, spart Geld, steigert den Komfort und macht sein Haus fit für die nächsten 20 Jahre.
Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe pro Tag?
Der tägliche Verbrauch hängt von der Jahreszeit und deinem Haus ab. Im Winter liegt er bei 20-40 kWh, besonders bei kalten Nächten. Im Frühjahr oder Herbst sinkt er auf 3-5 kWh pro Tag. Ein gut gedämmtes Haus von 100 m² verbraucht im Durchschnitt 10-15 kWh pro Tag über das Jahr.
Ist eine Wärmepumpe auch im Altbau sinnvoll?
Ja - aber mit Voraussetzungen. Der Altbau muss gedämmt sein, besonders Fenster und Dach. Die Heizkörper sollten groß genug sein oder durch Fußbodenheizung ersetzt werden. Mit einer JAZ von 4 oder höher ist eine Wärmepumpe im Altbau oft günstiger als eine neue Gasheizung - besonders wenn du die Förderung nutzt.
Wie lange hält eine Wärmepumpe?
Moderne Wärmepumpen halten 15-25 Jahre - ähnlich wie eine Gasheizung. Wichtig ist die regelmäßige Wartung alle 2 Jahre. Wer sie vernachlässigt, riskiert teure Reparaturen. Die Lebensdauer ist oft länger als die von Heizkesseln, weil es weniger bewegliche Teile gibt.
Kann ich meine alte Heizung einfach abschalten?
Nein. Beim Austausch wird die alte Heizung vollständig entfernt - inklusive Leitungen und Heizkörper, wenn nötig. Die Wärmepumpe wird neu installiert, mit eigener Elektrik und Kältemittelleitungen. Du kannst nicht einfach „beides nebeneinander“ betreiben. Das wäre ineffizient und teuer.
Brauche ich einen Stromspeicher für die Wärmepumpe?
Nein, aber es hilft. Ein Speicher ist nicht nötig, weil Wärmepumpen auch mit Netzstrom arbeiten. Wenn du aber eine Photovoltaik-Anlage hast, macht ein Speicher Sinn: Du speicherst den überschüssigen Solarstrom und nutzt ihn für die Heizung - das erhöht deinen Eigenverbrauch von 30 % auf bis zu 70 %.
Was ist der Unterschied zwischen Luft-Wasser- und Boden-Wasser-Wärmepumpe?
Luft-Wasser-Pumpen holen Wärme aus der Luft - sie sind günstiger und einfach zu installieren. Boden-Wasser-Pumpen nutzen die konstante Temperatur des Bodens - sie arbeiten effizienter (JAZ 5-6) und sind leiser, aber teurer und aufwändiger zu installieren. Für die meisten Einfamilienhäuser in Österreich ist die Luft-Wasser-Variante die bessere Wahl, wenn das Haus gut gedämmt ist.
Geschrieben von David Loidolt
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