Wenn Sie eine Küche im Altbau renovieren, geht es nicht nur darum, neue Schränke und einen modernen Herd einzubauen. Viel wichtiger ist, was hinter den Wänden steckt. In Häusern aus den 1950er bis 1970er Jahren sind die Leitungen oft älter als die Bewohner. Stoffummantelte Kabel, verrostete Wasserrohre, ungleichmäßige Estriche - das sind keine seltenen Funde, sondern die Regel. Und genau diese Details entscheiden darüber, ob Ihre neue Küche funktioniert - oder nach einem Jahr schon wieder renoviert werden muss.
Was ist wirklich kaputt? Eine Bestandsaufnahme ist Pflicht
Bevor Sie auch nur ein Küchenmodul bestellt haben, müssen Sie wissen, was unter der alten Fliese und hinter den Ziegelwänden steckt. Viele Hausbesitzer unterschätzen das. Sie denken: „Ich baue nur die Küche um, die Leitungen bleiben doch so.“ Das ist ein gefährlicher Irrtum. In einem Haus aus den 60er-Jahren ist die Elektroinstallation oft noch mit Stoffummantelung. Diese Isolierung bricht nach 50 Jahren an vielen Stellen. Es gibt keine Erdung, keine separate Leitung für die Spülmaschine - und das ist kein Mangel, das ist ein Sicherheitsrisiko. Ebenso die Wasserleitungen: Kupferrohre aus der Zeit sind oft verkalkt, Bleirohre gibt es noch immer in vielen Altbauten. Sie müssen wissen, wo die Hauptleitungen verlaufen, ob es ein Abwasserrohr im Keller gibt, das Sie nutzen können, und ob die Stromleitung überhaupt genug Leistung für moderne Geräte hergibt.Ein guter Trick: Lassen Sie sich von einem Elektriker und einem Sanitär-Installateur die gesamte Installation zeigen. Sie brauchen nicht alles zu ersetzen, aber Sie müssen wissen, wo die Schwachstellen liegen. In einem Altbau ist es fast immer notwendig, mindestens die Elektro- und Wasserleitungen zu erneuern. Laut der Handwerkskammer München kostet eine komplette Erneuerung dieser Systeme zwischen 5.000 und 15.000 Euro - je nachdem, wie viel Wand geöffnet werden muss.
Wände öffnen - aber richtig
Wände in Altbauten sind nicht wie in Neubauten. Sie sind oft aus Ziegel, Gipsputz oder sogar Holzrahmen mit Lehmfüllung. Und sie sind nicht gerade. Wenn Sie eine neue Küchenzeile einbauen wollen, müssen Sie den Boden eben machen, sonst steht die Küchenzeile schief. Das bedeutet: Der alte Estrich wird abgeschlagen, neue Dämmung und ein neuer Estrich kommen drauf. Das ist kein kleiner Aufwand, das ist ein ganzer Arbeitsschritt.Und die Wände? Wenn Sie neue Wasser- oder Elektroleitungen verlegen wollen, müssen Sie Schlitze fräsen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. In vielen Häusern verlaufen alte Leitungen diagonal durch die Wand - nicht waagerecht, nicht senkrecht. Das hat damals niemand geplant, aber es war günstiger, die Leitung einfach quer durch die Wand zu führen. Ein echter Albtraum für die Planung. Ein Installateur aus Graz erzählte mir, dass er bei einer Renovierung in der Lendstraße eine Wasserleitung fand, die von der Küche direkt durch die Decke ins Dachgeschoss führte - ohne Bogen, ohne Gefälle, einfach gerade durch. Das ist kein Fehler, das ist Altbaupraxis.
Wenn Sie neue Leitungen verlegen, müssen Sie die Wände so öffnen, dass Sie später wieder alles ordentlich verschließen können. Das heißt: Kein wildes Bohren, sondern gezieltes Schlitzen. Und wichtig: Die Leitungen dürfen nicht zu nah an den Tragwänden liegen. In Altbauten sind die Wände oft tragend. Eine zu tiefe Nut kann die Statik beeinträchtigen. Deshalb: Immer vorher die Bauunterlagen prüfen, wenn möglich. Und wenn Sie keine haben - dann lassen Sie sich von einem Statiker beraten.
Die Reihenfolge ist alles: Abwasser zuerst!
Sie haben vielleicht schon mal gehört: „Zuerst die Elektrik, dann das Wasser.“ Falsch. In einer Altbau-Küchenrenovierung ist die Reihenfolge entscheidend. Und sie ist genau umgekehrt. Abwasserrohre müssen als Erstes verlegt werden. Warum? Weil sie ein bestimmtes Gefälle brauchen. Mindestens 2 Prozent, also 2 Zentimeter pro Meter. Wenn das Gefälle nicht stimmt, staut sich das Wasser, es riecht, und die Spülmaschine läuft nicht mehr richtig. Und wenn Sie erst die Elektro- oder Wasserleitungen verlegt haben, und dann merken, dass das Abwasserrohr nicht passt? Dann müssen Sie alles wieder aufbrechen.Die richtige Reihenfolge ist:
- Abwasserrohre verlegen - mit präzisem Gefälle, keine Knicke, keine horizontalen Abschnitte
- Frischwasserleitungen verlegen - nach dem Abwasser, damit Sie nicht versehentlich ein Rohr durchschneiden
- Elektrik - Leitungen vom Verteilerkasten ziehen, Brücken für Steckdosen und Licht einbauen
- Trockenbauwände aufbauen - oft nur teilweise, um die Leitungen zu verbergen
- Wände verputzen oder verkleiden - je nach gewünschtem Endlook
Wenn Sie diese Reihenfolge nicht einhalten, wird die Renovierung teuer, chaotisch und dauert viel länger. Ein Installateur aus Linz sagte mir: „Wer die Abwasserrohre als Letztes verlegt, der hat schon verloren.“
Elektroinstallation: Mehr als nur Steckdosen
In einer modernen Küche brauchen Sie mindestens sechs Steckdosen - für Herd, Spülmaschine, Kühlschrank, Kaffeemaschine, Mixer, Toaster. Und das sind nur die Geräte, die Sie jetzt haben. In einem Altbau ist der Verteilerkasten oft nur mit 16 Ampere abgesichert. Das reicht für einen Herd mit 3,5 kW nicht. Sie brauchen einen separaten Stromkreis mit 16 oder sogar 20 Ampere. Und das muss in einem eigenen Kabel verlegt werden - nicht einfach an eine alte Leitung ranhängen.Die meisten Installateure verwenden heute 3x2,5 mm² Kabel für Steckdosen und 3x4 mm² für den Herd. Das ist der Standard. Aber in einem Altbau ist das nicht immer möglich. Wenn die Leitungswege lang sind, oder wenn die Leitungen in der Decke verlaufen, kann es sein, dass Sie eine größere Leitung brauchen. Und dann kommt das Problem: Die Leitungen müssen durch die Wände, durch den Boden, durch die Decke. Und das kostet Zeit - und Geld.
Ein weiterer Punkt: Die Beleuchtung. In Altbauten gibt es oft nur eine einzige Lichtschaltung in der Mitte der Küche. Heute wollen Sie Licht über der Spüle, über dem Herd, am Arbeitsplatz. Das heißt: Mehrere Schalter, mehrere Leitungen. Und das Licht sollte LED sein - nicht nur wegen der Energieeffizienz, sondern weil es kälteres Licht braucht, um das Kochen sicherer zu machen. Eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zeigt, dass 68 % der Küchenrenovierungen in Altbauten aus energetischen Gründen erfolgen. Und die meisten davon setzen auf LED.
Was Sie sparen können - und was nicht
Es ist verlockend, bei der Renovierung zu sparen. Aber bei Leitungen und Wänden ist das falsch. Hier gilt: Wer jetzt spart, zahlt später doppelt. Sie können zum Beispiel den Boden nicht mit günstigem Laminat verlegen, wenn der Estrich uneben ist. Dann wird er nach einem Jahr knarren. Sie können die alte Wasserleitung nicht einfach „abklemmen“ und eine neue daneben legen. Dann ist das Risiko von Leckagen viel höher.Aber es gibt auch Stellen, an denen Sie sparen können. Die Wandverkleidung zum Beispiel. Sie müssen nicht teure Natursteinplatten nehmen. Eine hochwertige Kachel oder ein robustes Kunststoffpaneel reicht. Der Estrich muss stabil sein, aber er muss nicht aus Beton mit Dämmung bestehen. Ein leichter Estrich mit Holzfaserdämmung ist oft ausreichend. Und die Elektroinstallation? Sie brauchen keine 10 Steckdosen, wenn Sie nur drei Geräte nutzen. Aber die für Herd und Spülmaschine? Die müssen perfekt sein.
Ein Tipp aus der Praxis: Arbeiten Sie mit einem Komplettanbieter. Die haben Erfahrung mit Altbauten. Sie wissen, wo die Leitungen oft liegen, wie man die Statik nicht beeinträchtigt, und wie man die Kosten im Griff behält. Sie kümmern sich um alle Gewerke - von der Entfernung der alten Leitungen bis zur Entsorgung des Mülls. Das spart Ihnen nicht nur Zeit, sondern auch Stress.
Die Zukunft: Nachhaltigkeit und Digitalisierung
Die Renovierung einer Küche im Altbau ist kein Rückwärtsgang. Es ist eine Chance. Heute wird nicht mehr nur geschaut, wie das Aussehen wird. Es geht um Energieeffizienz. Bis 2030 müssen alle Sanierungen in Österreich mindestens die Energieeffizienzklasse B erreichen. Das heißt: Sie brauchen nicht nur eine neue Spülmaschine, sondern auch einen Wasserhahn mit Durchflussbegrenzer, eine LED-Beleuchtung und eine gute Isolierung der Wände. Wer jetzt sanieren lässt, baut nicht nur eine moderne Küche - er baut auch für die Zukunft.Und die Planung? Heute nutzen 72 % der Sanierungsunternehmen 3D-Software, um die Leitungsverläufe im Altbau zu visualisieren. Sie können sich ein 3D-Modell Ihrer Küche anzeigen lassen - mit allen Rohren, Kabeln und Wänden. So sehen Sie, wo das Problem liegt, bevor die Bohrmaschine anläuft. Das ist kein Luxus, das ist Standard. Und es verhindert teure Fehler.
Geschrieben von David Loidolt
Zeige alle Beiträge von: David Loidolt