Leerstandsquoten bei Immobilien: Regionale Hotspots und Marktlage 2025

Leerstandsquoten bei Immobilien: Regionale Hotspots und Marktlage 2025

Stellen Sie sich vor, es gibt Millionen von leerstehenden Wohnungen in Deutschland, während Menschen in Großstädten wie Berlin oder München nachts auf der Straße schlafen müssen. Klingt paradox? Ist es auch. Diese extreme Schieflage prägt den deutschen Immobilienmarkt im Jahr 2025. Auf der einen Seite stehen die Metropolen mit einer kritischen Unterversorgung an Wohnraum, auf der anderen Seite ländliche Regionen, in denen ganze Häuserzeilen verfallen. Die Rede ist hier nicht von theoretischen Modellen, sondern von harten Fakten, die das Leben von Mietern, Eigentümern und Kommunen massiv beeinflussen.

Die aktuelle Lage lässt sich nicht pauschal beschreiben. Wer heute eine Immobilie kaufen oder mieten will, muss genau wissen, wo er steht. Der Begriff Leerstandsquote ist dabei der zentrale Indikator. Er zeigt uns, wie viel Potenzial ungenutzt bleibt und wo der größte Bedarf besteht. In diesem Artikel schauen wir uns an, welche Regionen zu wahren Hotspots geworden sind - sei es durch extremen Mangel oder durch massive Leerstände - und was das für die Zukunft bedeutet.

Was genau bedeutet die Leerstandsquote?

Viele Menschen denken bei Leerstand einfach an leere Räume. Aber für die Marktanalyse ist die Definition enger gefasst. Eine Wohnung gilt erst dann als leerstehend, wenn sie nicht dauerhaft bewohnt wird, nicht renoviert oder saniert wird und aktuell nicht aktiv zum Verkauf oder zur Vermietung angeboten wird. Kurz gesagt: Es sind Wohnungen, die aus dem Kreislauf gefallen sind.

Laut Daten des empirica-Instituts lag die bundesweite Leerstandsquote im Jahr 2025 bei etwa 2,5 Prozent. Das klingt niedrig, aber ein gesunder Wohnungsmarkt benötigt eigentlich einen Puffer von 3 bis 5 Prozent. Dieser Puffer ist notwendig, damit Mieter flexibel umziehen können, ohne dass sofort Preisspiralen entstehen. Fällt die Quote unter diesen Wert, kippt der Markt zugunsten der Vermieter. Die Preise steigen, die Auswahl schwindet und soziale Spannungen nehmen zu. Genau das passiert derzeit in den großen Städten.

Vergleich der Leerstandsquoten und Marktlagen 2025
Region / Typ Leerstandsquote (ca.) Marktstatus Hauptproblem
Metrople (Berlin, München, Hamburg, Frankfurt) < 1 % Kritisch knapp Explodierende Mieten, kaum Auswahl
Bundesdurchschnitt 2,5 % Unterversorgt Fehlender Puffer für Flexibilität
Ostdeutschland (Ländlich) 6,4 % (Zensus 2022 Basis) bis >10 % Überangebot Verfall, Abwanderung, Sanierungsstau
Strukturschwache Ländräume > 10 % Extrem hoher Leerstand Ineffiziente Ressourcennutzung

Die große Schere: Ost-West und Stadt-Land

Deutschland hat keinen einheitlichen Wohnungsmarkt, sondern mindestens zwei völlig entkoppelte Systeme. Diese Polarisierung wurde durch den Zensus 2022 des Statistischen Bundesamts sichtbar und hat sich bis 2025 weiter verschärft. Während in Westdeutschland die Leerstandsquote bei rund 4,0 Prozent lag, fiel sie in Ostdeutschland mit 6,4 Prozent deutlich höher aus. Doch diese Zahlen trügen noch über die aktuelle Dynamik hinweg.

In den vier deutschen Metropolen Berlin, München, Hamburg und Frankfurt liegt die Leerstandsquote gemäß Analysen von CALVEST.de mittlerweile unter einem Prozent. Das ist ein Alarmzustand. Wenn weniger als 1 Prozent der Wohnungen frei ist, bedeutet das für einen Mieter: Wenn Ihnen gekündigt wird oder Sie zügeln müssen, finden Sie kaum Alternativen. Wohnungen werden oft innerhalb weniger Stunden nach Online-Inserierung vergeben. Das treibt die Angebotsmieten in die Höhe. Laut BNP Paribas Real Estate haben die Mieten in nahezu allen kreisfreien Städten weiter angezogen, teils mit zweistelligen Steigerungsraten.

Ganz anders sieht es in strukturschwachen Regionen aus. Hier erreichen die Leerstandsquoten teilweise Werte über 10 Prozent. Was hier als Problem erscheint, ist gleichzeitig ein riesiges, ungenutztes Potenzial. Wir sprechen hier von Hunderttausenden von Wohnungen, die saniert und wieder bewohnbar gemacht werden könnten. Das Problem ist nur: Die Menschen, die dort wohnen würden, arbeiten meist in den Ballungszentren. Ohne Arbeitsplätze und gute Infrastruktur bleiben diese Häuser leer.

Überfüllte Stadtsilhouette, die den extremen Mangel an Wohnraum in Metropolen symbolisiert

Warum fehlen die Wohnungen in den Städten?

Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland zu wenig baut. Seit 1950 wurden durchschnittlich 405.000 neue Wohnungen pro Jahr fertiggestellt. Das klingt nach viel, reicht aber bei der aktuellen Bevölkerungsentwicklung nicht mehr. In den letzten zehn Jahren ist die Bevölkerung in Deutschland um 5 Prozent gewachsen. Diese zusätzlichen Menschen brauchen Wohnraum. Gleichzeitig ziehen viele junge Familien und Fachkräfte in die Städte, weil dort die Jobs sind.

Das Angebot kann mit dieser Nachfrage nicht mithalten. Besonders problematisch ist die Struktur des Bestands. Die Wohneigentumsquote in Mehrfamilienhäusern liegt bundesweit nur bei 16 Prozent, während sie in Ein- und Zweifamilienhäusern bei 78 Prozent liegt. Das bedeutet, der Großteil des Mietwohnungsbestands ist alt und befindet sich in privater Hand, oft bei kleinen Vermietern, die keine großen Investitionen in Neubau oder Modernisierung tätigen. Große institutionelle Investoren scheuen zudem die Risiken und die hohen Baukosten.

Dr. Joachim Wieland, CEO von Aurelis Real Estate GmbH, fasste es im Frühjahrsgutachten 2025 treffend zusammen: Trotz möglicher Zinssenkungen erwartet er keine deutliche Trendwende. Die gesamtwirtschaftliche Lage und ausstehende Wertkorrekturen bremsen die Bautätigkeit. Das Ergebnis spüren die Mieter direkt: Explodierende Kosten und ein extremer Stress bei der Suche.

Potenzial in der Provinz: Die Strategie der Aktivierung

Während die Städte kämpfen, sucht die Bundesregierung Lösungen in den ländlichen Räumen. Im Juni 2025 bestätigte das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) die 'Handlungsstrategie Leerstandsaktivierung'. Das Ziel ist ambitioniert: Bis Ende 2025 sollen 500.000 leerstehende Wohnungen in strukturschwachen Regionen reaktiviert werden. Dazu stehen zusätzliche Förderprogramme im Volumen von 1,2 Milliarden Euro bereit.

Doch wie funktioniert das in der Praxis? Es reicht nicht, einfach ein Dach zu flicken. Erfolgreiche Modelle, wie im sächsischen Vogtlandkreis gezeigt, basieren auf Partnerschaften zwischen Kommunen, lokalen Investoren und Sanierungsunternehmen. Innerhalb von 12 Monaten konnten dort 200 Wohnungen reaktiviert werden. Der Schlüssel war die Kombination aus bezahlbarem Wohnraum (hier für 350 Euro Kaltmiete eine 80-Quadratmeter-Wohnung) und der Schaffung von Perspektiven.

Für die Umsetzung gibt es jedoch Hürden. Kommunalverwaltungen benötigen durchschnittlich 6 bis 9 Monate nur für die Genehmigungen. Die gesamte Koordination dauert oft 18 bis 24 Monate. Zudem fehlt es in vielen Dörfern an digitaler Infrastruktur. Wer heute remote arbeitet, braucht schnelles Internet. Ohne Glasfaseranschluss zieht niemand in ein abgelegenes Dorf, selbst wenn die Miete fast nichts kostet.

Sanierte Wohnung im ländlichen Raum mit Blick auf die Natur und digitale Infrastruktur

Auswirkungen auf Mieter und Gesellschaft

Die Folgen dieser Marktschere sind bereits jetzt spürbar. Soziale Spannungen steigen. Laut Destatis lebten im September 2025 bereits 4,2 Millionen Menschen in Haushalten mit Zahlungsrückständen bei Versorgungsbetrieben. Das ist ein direktes Indiz dafür, dass die Wohnkosten für viele Familien an die Grenze des Machbaren stoßen.

In Online-Foren wie Immobilienscout24 oder Hausfrage.de liest man täglich von verzweifelten Suchenden. Ein typischer Bericht aus Berlin im Juni 2025: "Habe 6 Monate gesucht, 120 Besichtigungen gemacht und letztlich 30 Prozent mehr als ursprünglich geplant gezahlt." Solche Geschichten sind keine Ausnahmen, sondern die Regel in den Hotspots. Auf der anderen Seite berichten Nutzer aus ländlichen Regionen von großem Auswahlspielraum und fairen Preisen, doch oft fehlt ihnen der Anschluss an den Arbeitsmarkt.

Die Eigentumsquote spielt hier ebenfalls eine Rolle. In Großstädten wie Leipzig oder Berlin liegt sie unter 16 Prozent, in Landkreisen wie der Südwestpfalz über 70 Prozent. Das bedeutet, im Osten und auf dem Lande sind viele Eigentümer auch selbst Bewohner. Wenn sie wegziehen, verkaufen sie das Haus oft nicht schnell genug oder lassen es stehen, weil der Aufwand für die Instandhaltung höher ist als der potenzielle Verkaufspreis. Das führt zum Verfall.

Ausblick: Wird sich 2026 etwas ändern?

Experten sind skeptisch. Iris Schöberl, Präsidentin des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V., betont die Dringlichkeit, sieht aber keine schnelle Wunderwaffe. CALVEST.de prognostiziert, dass sich die Situation in den vier Metropolen bis 2026 weiter verschärfen wird, falls nicht mindestens 500.000 neue Wohnungen jährlich geschaffen werden - eine Zahl, die weit über den historischen Durchschnittswerten liegt.

Die Hoffnung liegt in der digitalen Transformation. Wenn Homeoffice flächendeckend möglich wird, könnte sich die Pendelkultur ändern. Menschen könnten in Regionen mit hohem Leerstand ziehen, solange die Anbindung ans Internet stimmt. Die 'Handlungsstrategie Leerstandsaktivierung' setzt genau darauf: Verbesserung der digitalen Infrastruktur und gezielte Förderung von Sanierungen. Ob das reicht, um die Schere zu schließen, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Der deutsche Immobilienmarkt wird 2025 und 2026 von dieser regionalen Spaltung geprägt sein. Wer handelt, muss diese Realität akzeptieren und strategisch darauf reagieren.

Wie hoch ist die durchschnittliche Leerstandsquote in Deutschland 2025?

Die bundesweite Leerstandsquote lag im Jahr 2025 bei etwa 2,5 Prozent. Dies liegt unter dem gesunden Pufferbereich von 3 bis 5 Prozent, was zu angespannten Marktbedingungen führt, insbesondere in urbanen Zentren.

Welche Städte haben die höchste Wohnungsnot?

Berlin, München, Hamburg und Frankfurt gelten als kritische Hotspots. Hier liegt die Leerstandsquote unter einem Prozent, was zu extrem kurzen Verfügbarkeitszeiten und steigenden Mieten führt.

Was ist die 'Handlungsstrategie Leerstandsaktivierung'?

Es ist eine Initiative der Bundesregierung, die darauf abzielt, 500.000 leerstehende Wohnungen in strukturschwachen und ländlichen Regionen bis Ende 2025 zu sanieren und wieder zu besiedeln, unterstützt durch 1,2 Milliarden Euro Förderung.

Warum ist die Leerstandsquote im Osten höher?

Aufgrund der Abwanderung junger Menschen in den Westen und in die Städte sowie einer höheren Anzahl alter Bestände, die nicht wirtschaftlich saniert werden, liegt die Leerstandsquote in Ostdeutschland signifikant höher (rund 6,4 % laut Zensus 2022, lokal oft über 10 %).

Gilt jede unbewohnte Wohnung als leerstehend?

Nein. Nur Wohnungen zählen als leerstehend, die weder bewohnt, noch renoviert, saniert oder aktiv zum Verkauf/Vermietung angeboten werden. Wohnungen in Vorbereitung auf den Umzug eines neuen Mieters zählen nicht dazu.