Wie viel kostet eine Renovierung wirklich?
Wenn du über eine Renovierung nachdenkst, dann denkst du wahrscheinlich zuerst an die neue Küche, die frische Farbe an den Wänden oder die warmen Fußböden. Aber die echte Frage ist: Wie viel Geld musst du wirklich auf den Tisch legen? Die Antwort ist nicht einfach. In Deutschland liegen die durchschnittlichen Renovierungskosten pro Quadratmeter im Jahr 2026 zwischen 600 und 1.600 Euro. Das klingt erstmal überschaubar - bis du merkst, dass das bei einem 120 m² großen Haus schon zwischen 72.000 und 192.000 Euro bedeutet.
Was macht den Unterschied zwischen 600 und 1.600 Euro pro m²?
Nicht jede Renovierung ist gleich. Ein einfacher Anstrich und neue Steckdosen kosten nicht mal die Hälfte einer kompletten Kernsanierung. Die größten Kostenfaktoren sind das Gebäudealter, der Sanierungsumfang und ob du energetisch auf den neuesten Stand bringen willst.
Ein Haus aus den 1970er Jahren, das nur neu gestrichen, die Badezimmer erneuert und die Elektrik aufgerüstet wird, kommt auf etwa 700-900 Euro pro m². Aber wenn du auch die Dämmung der Außenwände, den Fenstertausch und eine neue Heizung einbaust, dann rutschst du schnell in die 1.200-1.500 Euro pro m². Alte Gebäude aus den 1950er Jahren mit feuchten Kellern, ungedämmten Dächern und schadstoffbelasteten Materialien können sogar bis zu 1.800 Euro pro m² kosten - besonders wenn versteckter Schimmel oder asbesthaltige Dämmungen entdeckt werden.
Die großen Kostenblöcke: Was kostet was?
Es lohnt sich, die Kosten nach Gewerken zu trennen. So siehst du, wo du sparen kannst - und wo du nicht sparen solltest.
- Dachsanierung: 140-510 €/m². Ein einfacher Dachdecker-Wechsel kostet weniger, aber wenn du auch die Dämmung oben drauflegst, steigt der Preis.
- Fassadensanierung: 120-390 €/m². Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist teurer als nur ein neuer Anstrich, aber es spart langfristig Heizkosten.
- Kellerarbeiten: 30-2.000 €/m². Das ist das größte Risiko. Ein trockener Keller kostet 50 €/m², ein saniertes, gedämmtes und abgedichtetes Kellerloch kann 1.500 €/m² kosten - besonders wenn die Fundamente nachgebessert werden müssen.
- Badsanierung: ab 300 €/m². Ein neuer Boden, eine neue Dusche, neue Leitungen - das summiert sich schnell. Bei Premium-Ausstattung sind 500 €/m² keine Seltenheit.
- Elektrik: 110-170 €/m². Nicht nur neue Steckdosen, sondern auch die komplette Sicherungsanlage und die Verkabelung für Smart-Home-Systeme.
- Rohrleitungen: 200-300 €/m². Wenn das Wasser aus den Leitungen rötlich ist oder du Kalk in der Kanne hast, ist ein kompletter Austausch nötig.
- Fenstertausch: 800-1.500 € pro Fenster. Ein einzelnes Fenster kostet nicht viel, aber bei 15 Fenstern sind das schon 12.000-22.000 Euro.
- Wärmepumpe: 25.000-40.000 € inklusive Einbau. Die teuerste Einzelmaßnahme - aber auch die mit dem größten Heizkosteneinsparpotenzial.
Energetische Sanierung: Was kostet der Klimaschutz?
Seit dem 1. Januar 2026 gilt das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG). Das bedeutet: Wer sanieren will, muss jetzt auch energetisch auf den neuesten Stand bringen - oder riskiert Strafen. Die Kosten dafür sind deutlich höher.
Wenn du dein Haus auf den Effizienzhaus-Standard 100 bringst (also 100 % des Neubau-Energiebedarfs), dann rechnest du mit 740-1.140 €/m². Das ist schon teuer, aber machbar. Willst du aber den Effizienzhaus-Standard 55 erreichen - also fast so sparsam wie ein Neubau - dann steigen die Kosten auf 1.160-1.590 €/m². Bei einer 140 m² großen Wohnung bedeutet das: 162.000 bis 222.000 Euro.
Die größten Kostenfaktoren hier sind: Wärmedämmung der Außenwände (180-300 €/m²), Aufsparrendämmung am Dach (150-250 €/m²) und der Fenstertausch. Die Kellerdeckendämmung mit 30-100 €/m² ist dagegen ein Schnäppchen - und sollte nie vernachlässigt werden.
Regionale Unterschiede und die Wahrheit über die Preise
Es gibt keinen einheitlichen Preis für ganz Deutschland. In Bayern liegen die Kosten oft 20-30 % höher als in Sachsen oder Brandenburg. Ein 80 m² großes Apartment in München kann 120.000 Euro kosten, während das gleiche Projekt in Leipzig für 85.000 Euro zu realisieren ist.
Aber es gibt noch einen wichtigen Faktor: Handwerker. Die Wartezeit für qualifizierte Handwerksbetriebe liegt aktuell bei 14 Wochen - das ist dreimal so lang wie 2020. Und das führt dazu, dass viele Betriebe ihre Preise erhöhen. Wer jetzt nicht plant, zahlt später mehr.
Ein weiterer Punkt: Die Kosten steigen weiter. Laut ifo Institut werden sie 2026 um 5-8 % ansteigen. Das neue GEG wird die Preise für energetische Sanierungen zusätzlich um 12 % nach oben treiben. Wer heute plant, spart später.
Die größten Fallen: Was du nicht sehen kannst
Die meisten Sanierungen laufen schief, weil man versteckte Schäden unterschätzt. Eine Studie von Architektin Sabine Weber vom Bund Deutscher Architekten zeigt: In 78 % der Sanierungsprojekte werden unerwartete Probleme entdeckt - Schimmel, faulige Holzbalken, undichte Dämmung, veraltete Leitungen, die nicht auf dem Plan standen.
Experten warnen: Jede Kostenschätzung sollte um mindestens 20 % höher sein als der erste Plan. Ein Nutzer auf ImmobilienScout24 berichtet, dass seine 120 m²-Doppelhaushälfte 138.000 Euro kostete - obwohl er mit 110.000 Euro gerechnet hatte. Der Grund: Schimmel hinter der Wand, die erst beim Abreißen sichtbar wurde.
Und das ist kein Einzelfall. Auf Bauexperten.de berichten 63 % der Nutzer von unerwarteten Kostensteigerungen von durchschnittlich 28 %. Wer keine Pufferkasse hat, gerät schnell in finanzielle Schwierigkeiten.
Fördermittel: Wie du bis zu 25 % sparen kannst
Die gute Nachricht: Die Bundesregierung fördert Sanierungen stärker denn je. Ab April 2026 gibt es von der KfW Zuschüsse von bis zu 25 % für Sanierungen bis zum Effizienzhaus-Standard 55. Das bedeutet: Wenn du 150.000 Euro investierst, bekommst du bis zu 37.500 Euro zurück.
Dazu kommen noch die BAFA-Förderungen für Wärmepumpen (bis zu 40 %), die steuerliche Abschreibung für Sanierungen (bis zu 20 % über drei Jahre) und lokale Förderprogramme der Gemeinden. In Graz, wo ich lebe, gibt es zum Beispiel einen zusätzlichen Zuschuss von 5.000 Euro für die Dämmung von Altbauten.
Wichtig: Du musst die Förderung vor Beginn der Arbeiten beantragen. Wer erst nach der Rechnung zahlt, verliert den Anspruch. Die Anträge sind kompliziert - ein Architekt oder Energieberater hilft hier oft mehr als 1.000 Euro wert.
Wie du die richtigen Angebote findest
Die Streuung zwischen den günstigsten und teuersten Angeboten liegt durchschnittlich bei 42 %. Das ist kein Fehler - das ist normal. Ein Handwerker, der mit billigen Materialien arbeitet, kann 30 % günstiger sein. Aber was passiert, wenn die Dämmung nach drei Jahren feucht wird?
Die Stiftung Warentest empfiehlt: Hole mindestens drei detaillierte Angebote ein. Und zwar nicht nur die Summe, sondern auch die einzelnen Positionen: Welche Dämmstärke? Welche Fenster-Isolierwerte? Welche Hersteller? Wer macht die Baustellenüberwachung?
Und: Verlasse dich nicht auf Online-Rechner. Die sagen oft, dass eine Sanierung 800 €/m² kostet. In der Realität sind es 1.100 €. Die Rechner ignorieren versteckte Schäden, Handwerkerknappheit und die neuen GEG-Vorgaben.
Planung ist dein größter Verbündeter
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat berechnet: Sanierungen mit professioneller Planung sind durchschnittlich 15 % günstiger als solche, die einfach losgelegt werden. Warum? Weil Planer versteckte Probleme früh erkennen, die richtigen Handwerker vermitteln und die Fördermittel optimal nutzen.
Ein guter Plan dauert 3-6 Monate. In dieser Zeit holst du Gutachten ein, prüfst Fördermöglichkeiten, vergleichst Angebote und definierst Prioritäten. Wer das überspringt, zahlt doppelt.
Was du jetzt tun kannst
- Erstelle eine Liste aller Renovierungsmaßnahmen - von der Dachdämmung bis zur neuen Heizung.
- Setze Prioritäten: Was ist dringend? Was kann warten?
- Rechne mit mindestens 20 % Puffer - für versteckte Schäden.
- Hole drei Angebote ein - und prüfe, ob sie die neuen GEG-Vorgaben berücksichtigen.
- Prüfe Fördermöglichkeiten bei KfW und BAFA - aber vor der ersten Bohrung!
- Halte 10 % Eigenkapital bereit - für Überraschungen.
Was kommt danach?
Die Sanierungsquote in Deutschland liegt bei nur 1,1 % pro Jahr. Die Regierung braucht 2 %, um die Klimaziele zu erreichen. Das bedeutet: Die Nachfrage nach qualifizierten Handwerkern wird weiter steigen. Die Preise auch. Wer jetzt startet, hat die besten Chancen - und die günstigsten Preise.
Wie viel kostet eine Renovierung pro Quadratmeter im Durchschnitt?
Im Jahr 2026 liegen die durchschnittlichen Renovierungskosten in Deutschland zwischen 600 und 1.600 Euro pro Quadratmeter. Eine einfache Modernisierung kommt auf 700-900 €/m², eine umfassende energetische Sanierung auf 1.200-1.600 €/m². Ältere Gebäude mit versteckten Schäden können bis zu 1.800 €/m² kosten.
Warum sind Sanierungskosten so stark gestiegen?
Die Kosten sind seit 2021 um über 40 % gestiegen. Gründe sind die steigenden Materialpreise, die knappen Handwerkerkapazitäten (Wartezeit jetzt 14 Wochen) und die neuen gesetzlichen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ab 2026. Besonders teuer sind Dämmung, Fenstertausch und Wärmepumpen.
Wie viel Puffer sollte ich für unerwartete Kosten einplanen?
Mindestens 20 %. Studien zeigen, dass in 78 % der Sanierungen versteckte Schäden wie Schimmel, feuchte Wände oder alte Leitungen entdeckt werden, die nicht im ursprünglichen Plan standen. Wer keinen Puffer hat, gerät schnell in finanzielle Schwierigkeiten.
Kann ich mit Fördermitteln viel sparen?
Ja, bis zu 25 %. Ab April 2026 gibt es von der KfW Zuschüsse von bis zu 25 % für Sanierungen bis zum Effizienzhaus-Standard 55. Dazu kommen BAFA-Förderungen für Wärmepumpen (bis zu 40 %) und steuerliche Abschreibungen. Wichtig: Die Anträge müssen vor Baubeginn gestellt werden.
Sollte ich eine Sanierung selbst machen?
Einige Arbeiten wie Anstrich, Fußbodenverlegung oder Möbelmontage kannst du selbst machen - das spart Geld. Aber bei Elektrik, Sanitär, Dämmung oder Heizung solltest du auf Profis setzen. 63 % der Sanierungen, die ohne professionelle Begleitung gestartet wurden, enden mit unerwarteten Kostensteigerungen von durchschnittlich 28 %.
Wie lange dauert eine typische Sanierung?
Eine komplette Sanierung dauert je nach Umfang 6 bis 18 Monate. Die Planungsphase allein nimmt 3-6 Monate ein. Die Wartezeit für Handwerker liegt aktuell bei 14 Wochen - das ist dreimal so lang wie 2020. Wer früh plant, kommt schneller voran.
Ist eine Sanierung heute noch sinnvoll?
Ja - besonders wenn du langfristig denkst. Eine energetische Sanierung senkt die Heizkosten um bis zu 60 %. Sie erhöht den Wert deiner Immobilie und macht dich unabhängig von steigenden Energiepreisen. Die Fördermittel machen sie heute finanziell attraktiver als je zuvor. Wer jetzt nicht sanieren will, zahlt später mehr - in Geld und Komfort.
Geschrieben von David Loidolt
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