Steigstränge im Mehrfamilienhaus erneuern: Schritt für Schritt Planung und Ablauf

Steigstränge im Mehrfamilienhaus erneuern: Schritt für Schritt Planung und Ablauf

Wenn du in einem Mehrfamilienhaus wohnst und merkst, dass deine Wasserleitungen lecken, langsam verstopfen oder sich Rost an den Rohren bildet, dann ist es wahrscheinlich Zeit, die Steigstränge zu erneuern. Das klingt nach einem riesigen Projekt - und das ist es auch. Aber mit der richtigen Planung und einem klaren Ablauf kannst du es schaffen, ohne dass deine Wohnung zu einer Baustelle wird. Steigstränge sind die vertikalen Rohre, die vom Keller bis ins Dachgeschoss führen und Wasser, Abwasser und Heizung zu jeder Wohnung bringen. Sie sind das Herz der Versorgung - und wenn sie versagen, dann versagen alle.

Was genau sind Steigstränge?

Steigstränge sind die senkrechten Leitungen, die in jedem Mehrfamilienhaus die zentrale Versorgung sicherstellen. Sie bestehen aus drei Hauptsystemen: Trinkwasserleitungen, Abwasserrohren und Heizungsrohren. Jede Wohnung ist an diese Leitungen angeschlossen. Wenn eine dieser Leitungen undicht wird, leidet nicht nur deine Wohnung - es kann auch das ganze Haus betroffen sein. Rostige Stahlrohre aus den 70er-Jahren, verstopfte Abwasserleitungen aus Grauguss oder undichte Heizungsrohre aus verzinktem Stahl sind heute Standardgründe für eine Sanierung.

Ein alter Steigstrang ist nicht nur lästig - er ist gefährlich. Leckagen können Feuchtigkeit und Schimmel verursachen, verstopfte Abwasserleitungen führen zu Rückstau und unangenehmen Gerüchen, und defekte Heizungsleitungen erhöhen die Energiekosten. In vielen Gebäuden in Österreich, besonders in Graz, Linz oder Wien, sind diese Rohre mittlerweile 40 bis 60 Jahre alt. Die Lebensdauer von Stahlrohren liegt bei etwa 30-40 Jahren. Danach beginnt der Zerfall.

Wie erkenne ich, dass meine Steigstränge erneuert werden müssen?

Du musst nicht warten, bis die Wand deiner Wohnung aufquillt. Es gibt klare Anzeichen:

  • Wassertröpfchen an der Decke oder Wänden in der Wohnung darunter - besonders nach dem Duschen oder Spülen.
  • Verfärbungen, Rostflecken oder Kalkablagerungen an sichtbaren Rohren im Keller oder in der Hausleitung.
  • Langsame Abflüsse in Waschbecken oder Duschen, die auch nach Reinigung nicht besser werden.
  • Ungewöhnliche Geräusche in den Rohren - Ploppen, Klappern, Zischen.
  • Steigende Heizkosten ohne erkennbaren Grund, besonders wenn die Heizkörper in der Wohnung kalt bleiben.

Ein seriöser Handwerker macht bei einer Bestandsaufnahme eine Kamerabefahrung. Dabei wird eine kleine Kamera durch das Abwasserrohr geschoben und zeigt genau, wo Risse, Ablagerungen oder Verformungen sind. Das ist nicht nur eine Diagnose - es ist die Grundlage für jede Sanierung. Ohne diese Aufnahme weiß man nicht, ob man nur einen Abschnitt austauschen muss oder das ganze System ersetzen muss.

Wie läuft die Planung ab?

Die Planung ist der schwierigste Teil - und auch der wichtigste. Du kannst nicht einfach einen Handwerker rufen und sagen: „Mach’s mal schnell.“

Erstens: Du musst wissen, was du erneuern willst. Trinkwasser? Abwasser? Heizung? Oder alles? Das macht einen riesigen Unterschied. Die meisten Sanierungen werden in drei Phasen durchgeführt: Zuerst die Abwasserleitungen, dann die Trinkwasserleitungen, danach die Heizungsleitungen. Warum? Weil die hygienischen Vorschriften vorschreiben, dass du nicht gleichzeitig an Abwasser und Trinkwasser arbeiten darfst. Sonst riskierst du eine Kontamination des Trinkwassers.

Zweitens: Du brauchst die Zustimmung der anderen Eigentümer. In Österreich ist ein Mehrfamilienhaus ein gemeinschaftliches Eigentum. Wenn du eine Steigleitung erneuern willst, die durch mehrere Wohnungen führt, brauchst du eine Mehrheit der Eigentümer. Das heißt: Du musst eine Eigentümerversammlung einberufen und einen Sanierungsplan vorlegen. Dazu gehören:

  • Eine detaillierte Beschreibung der geplanten Arbeiten
  • Eine Kostenprognose mit Mindest- und Höchstwert
  • Eine Zeitschätzung, wie lange die Arbeiten dauern
  • Ob es Fördermöglichkeiten gibt (z. B. BAFA, Wohnbauförderung)

Drittens: Wähle die richtige Methode. Es gibt zwei Hauptansätze:

  1. Klassische Erneuerung: Alles rausreißen, alles neu verlegen. Das ist aufwendig, aber sauber. Du hast danach ein völlig neues System.
  2. Modernes Verfahren mit vorgefertigten Elementen: Die Rohre werden in Abschnitten vormontiert - etwa pro Etage - und dann als ganze Einheit in den Schacht eingebracht. Das spart Zeit, Staub und Lärm. Viele Firmen in Österreich nutzen heute dieses System, besonders bei Sanierungen in dicht bebauten Gebieten wie Graz-Innenstadt.
Arbeiter setzen vorgefertigte Kunststoffrohre in einem vertikalen Schacht eines Mehrfamilienhauses ein.

Was wird tatsächlich ausgetauscht?

Bei der Sanierung geht es nicht nur um Rohre. Du musst auch die Anschlüsse, Armaturen und Schutzmaßnahmen erneuern.

Abwasserrohre: Früher wurden Grauguss oder Asbestzement verwendet. Heute ist fast ausschließlich PVC-U (Polyvinylchlorid) oder PP-R (Polypropylen) die Norm. Diese Materialien sind korrosionsfrei, langlebig und leicht zu verarbeiten. Ein 100-mm-Fallrohr aus Kunststoff kostet etwa 150 Euro an Material - und kann von einem erfahrenen Handwerker in vier Stunden eingebaut werden.

Trinkwasserleitungen: Kupfer ist immer noch der Standard, aber auch PEX (vernetztes Polyethylen) wird immer häufiger genutzt. Es ist flexibel, einfach zu verlegen und widersteht Kalk besser als Kupfer. Die Leitungen werden meist in 28-mm-Durchmesser verlegt, um ausreichend Druck zu halten.

Heizungssteigleitungen: Hier wird oft auf DU20 (verzinkte Stahlrohre) verzichtet. Stattdessen kommen Kupfer oder PEX zum Einsatz. Der Vorteil: Kein Schweißen nötig. Die Rohre werden mit Klemmverbindungen verbunden - das ist schneller, sauberer und sicherer.

Wie läuft die Ausführung ab?

Die tatsächliche Arbeit ist ein Prozess - und er läuft meist so ab:

  1. Abriegelung: Zuerst wird das Wasser im Keller und auf dem Dachboden abgestellt. Bei Heizungsrohren wird die Anlage entleert. Das ist wichtig - sonst fließt dir die Wohnung voll.
  2. Entfernung der alten Leitungen: Mit einer Elektrosäge oder einer Turbine werden die alten Rohre an strategischen Punkten durchtrennt. Der Schnitt muss genau sitzen, damit die neuen Verbindungen dicht werden. Die alten Rohre werden abtransportiert - oft als Sondermüll.
  3. Neuverlegung: Die neuen Rohre werden eingebaut. Bei vorgefertigten Elementen werden ganze Etagenblöcke eingeschoben und mit Muffen verbunden. Das ist wie ein Bausteinsystem - schnell, präzise, wenig Störung.
  4. Anschlüsse herstellen: Jede Wohnung bekommt einen neuen Anschluss. Dazu gehören auch neue Absperrventile, Druckminderer und Filter. Das ist wichtig für die spätere Wartung.
  5. Brandschutz prüfen: Wenn du Steigleitungen durch mehrere Geschosse verlegst, musst du die Brandschutzklappen erneuern. Diese verhindern, dass Feuer oder Rauch durch den Schacht wandert. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.
  6. Prüfung und Abnahme: Ein Sachverständiger prüft die Leitungen mit Druck- und Dichtheitsmessungen. Nur wenn alles dicht ist, darf das Haus wieder mit Wasser versorgt werden.
Neu installierte Leitungen hinter einer Wandverkleidung in einer Wohnküche mit Wartungsbuch.

Wie lange dauert es? Was kostet es?

Ein kompletter Austausch in einem 6-geschossigen Haus mit 12 Wohnungen dauert etwa 6 bis 8 Wochen. Das ist kein Wochenendprojekt. Die Kosten liegen zwischen 15.000 und 30.000 Euro - je nach Größe, Material und ob du vorgefertigte Elemente nutzt.

Das klingt viel. Aber denk daran: Wenn du nichts tust, kostet es später viel mehr. Ein Wasserschaden in einem Mehrfamilienhaus kann schnell 50.000 Euro verschlingen - und das ohne Förderung.

Glücklicherweise gibt es Fördermöglichkeiten. In Österreich kannst du mit der BAFA-Förderung oder regionalen Wohnbauförderungen bis zu 30 % der Kosten erstattet bekommen - wenn du energieeffiziente Materialien verwendest. Das heißt: Wenn du PEX statt Kupfer nimmst, oder die Leitungen mit Dämmung versehst, kannst du mehr Geld zurückbekommen.

Was passiert nach der Sanierung?

Nach der Sanierung ist nicht alles getan. Du musst jetzt:

  • Die neuen Rohre dokumentieren - für zukünftige Reparaturen
  • Die Eigentümergemeinschaft über die neue Lage der Leitungen informieren
  • Wartungspläne erstellen - z. B. alle 5 Jahre eine Kamerabefahrung
  • Die Versicherung informieren - manche versichern nur noch, wenn die Leitungen modern sind

Ein guter Tipp aus Graz: Mache nach der Sanierung eine kleine Feier - mit den Nachbarn. Denn du hast nicht nur deine Wohnung verbessert, sondern auch die Lebensqualität für alle im Haus. Das ist mehr als nur ein Rohrwechsel. Das ist Gemeinschaft.

Was ist mit nur einer Etage?

Kann man nicht einfach nur die eigene Wohnung sanieren? Theoretisch ja - aber praktisch nein. Steigstränge sind nicht in einzelne Wohnungen aufgeteilt. Sie verlaufen durch das ganze Haus. Wenn du nur deine Leitung austauschst, aber die darunter liegende bleibt, dann bleibt das Problem. Und du riskierst, dass dein neues Rohr durch ein altes, undichtes Rohr unter dir beschädigt wird.

Die einzige Ausnahme: Wenn du ein neues Gebäude baust oder eine Etage komplett umgestaltest. Dann ist ein Teil-Austausch möglich. Aber in den meisten Fällen: Alles oder nichts.

Kann ich die Steigstränge selbst erneuern?

Nein. Die Erneuerung von Steigleitungen in Mehrfamilienhäusern ist kein Heimwerkerprojekt. Es erfordert spezielle Werkzeuge, Fachkenntnisse und Genehmigungen. Zudem müssen die Arbeiten von einem zugelassenen Installateur durchgeführt und von einem Sachverständigen abgenommen werden. Selbst wenn du es schaffst, die Rohre zu verlegen - die rechtlichen und hygienischen Vorschriften verbieten eine Eigenleistung. Ein falscher Anschluss kann zu schwerwiegenden Schäden oder sogar zur Gefährdung der Trinkwasserqualität führen.

Wie lange halten neue Steigstränge?

Moderne Materialien wie PVC-U für Abwasser, PEX für Trinkwasser und Kupfer für Heizung halten mindestens 50 bis 70 Jahre, oft länger. Das liegt an ihrer Korrosionsbeständigkeit und der geringen Ablagerungsneigung. Im Vergleich zu alten Stahlrohren, die nach 30 Jahren anfangen zu rosten, ist das eine enorme Verbesserung. Regelmäßige Kontrollen (alle 10 Jahre) verlängern die Lebensdauer weiter.

Muss ich während der Sanierung ausziehen?

Nicht unbedingt, aber es ist ratsam. Während der Arbeiten ist es laut, staubig und es gibt Zeiten, in denen Wasser oder Heizung ausfällt. Die meisten Hausverwaltungen bieten eine temporäre Unterbringung an oder verhandeln mit den Bewohnern über zeitlich abgestufte Arbeiten. Wenn du mit kleinen Kindern oder älteren Menschen lebst, ist ein Auszug die bessere Wahl.

Warum kann man nicht gleichzeitig Trinkwasser und Abwasser erneuern?

Aus Hygienegründen. Wenn du Abwasserrohre öffnest, kann Bakterien und Schadstoffe in die Luft gelangen. Wenn du gleichzeitig Trinkwasserleitungen verlegst, besteht die Gefahr, dass diese Verunreinigungen in das Trinkwasser gelangen. Deshalb ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass diese Arbeiten getrennt erfolgen - meist mit einem Abstand von mehreren Wochen.

Was passiert, wenn ich die Zustimmung der anderen Eigentümer nicht bekomme?

Dann darfst du die Arbeiten nicht durchführen. In Österreich ist die Eigentümergemeinschaft rechtlich verantwortlich für die Instandhaltung der Gemeinschaftsanlagen. Wenn eine Mehrheit der Eigentümer die Sanierung ablehnt, kannst du nur eine Einzelmaßnahme beantragen - und selbst dann muss sie die Gemeinschaftsleitungen nicht betreffen. In Extremfällen kann ein Gericht eingeschaltet werden, aber das ist teuer und zeitaufwendig. Die beste Lösung: Überzeugen. Zeige die Kamerabefahrung, die Kostenprognose und die Fördermöglichkeiten.