Wenn du dein Haus modernisierst, solltest du nicht nur die Heizung, sondern auch die Warmwasserbereitung überdenken. Viele Hausbesitzer in Österreich und Deutschland schwören noch auf große Warmwasserspeicher - doch das ist 2026 nicht mehr der Standard. Eine Frischwasserstation ist heute die klügere, hygienischere und energieeffizientere Lösung. Aber ist sie auch für dein Zuhause die richtige Wahl? Hier bekommst du klare Antworten - ohne technischen Jargon, nur das, was wirklich zählt.
Warum dein alter Warmwasserspeicher langsam out ist
Ein klassischer Warmwasserspeicher hält bis zu 120 Liter Wasser auf 60°C. Klingt praktisch? Ist es aber nicht mehr. Das Wasser steht ständig im Behälter - und das ist das Problem. Stagnierendes Wasser wird ein Nährboden für Bakterien, besonders für Legionellen. Diese Keime können schwerwiegende Lungenentzündungen verursachen. Jedes Jahr werden in Österreich und Deutschland Hunderte von Fällen dokumentiert, die auf verunreinigtes Warmwasser zurückgehen. Um das zu verhindern, muss der Speicher mindestens einmal pro Woche auf 60°C hochgefahren werden. Das kostet Energie - und zwar viel. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) verbraucht ein herkömmlicher Speicher pro Jahr zwischen 100 und 150 kWh mehr als eine moderne Frischwasserstation. Das ist so viel wie ein ganzer Monat Strom für einen Kühlschrank.Dazu kommt der Platzverbrauch. Ein 120-Liter-Speicher braucht mindestens 60 cm Höhe und 50 cm Breite. In modernen Bädern oder Kelleranlagen ist das oft ein Problem. Die neue Technik dagegen ist schlank: Eine Frischwasserstation passt auf eine Fläche von 30 x 20 cm. Sie hängt neben dem Pufferspeicher - und braucht keinen eigenen Raum.
Wie eine Frischwasserstation wirklich funktioniert
Stell dir vor: Du drehst den Hahn auf - und sofort fließt warmes, frisches Wasser. Kein Vorrat, kein stagnierendes Wasser, kein Kalk. Das ist die Grundidee einer Frischwasserstation. Sie funktioniert wie ein Durchlauferhitzer - aber anders. Statt das Trinkwasser direkt mit Strom zu erwärmen, nutzt sie die Wärme aus deinem Heizkreis. Das ist der Schlüssel.Im Inneren der Station steht ein Edelstahl-Plattenwärmetauscher. Wenn du den Hahn öffnest, fließt kaltes Leitungswasser (8-12°C) durch eine Seite des Wärmetauschers. Gleichzeitig fließt warmes Heizungswasser (55-65°C) aus dem Pufferspeicher auf der anderen Seite. Die Wärme überträgt sich, ohne dass die beiden Wasserströme sich mischen. Das Ergebnis: Hygienisch einwandfreies Warmwasser, das direkt aus dem Hahn kommt. Kein Speicher, kein Risiko, keine Wartezeit.
Die Technik ist clever. Eine elektronische Regelung misst, wie viel Wasser du brauchst - und passt die Leistung der Pumpe genau an. Die Pumpe braucht nur 3-8 Watt im Standby. Das ist weniger als eine LED-Lampe. Und sie läuft nur, wenn du tatsächlich Wasser verbrauchst. Das macht den Unterschied: Keine Bereitschaftsverluste, keine unnötige Energie.
Hygiene: Warum 98,7 % der Frischwasser-Systeme keimfrei sind
Ein Umweltbundesamt-Test aus 2023 hat 1.200 Warmwasseranlagen in deutschen Haushalten untersucht. Das Ergebnis: Bei Systemen mit Frischwasserstationen war in 98,7 % der Fälle kein einziger Keim nachweisbar. Bei alten Speichern lag die Quote bei nur 87,7 %. Das ist kein Zufall. Wo Wasser steht, wachsen Bakterien. Wo Wasser fließt, bleiben sie draußen.Das ist besonders wichtig, wenn Kinder, ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem im Haus leben. Eine Frischwasserstation eliminiert das Risiko komplett - ohne Chemie, ohne Chlor, ohne teure Reinigung. Sie ist die einzige Technik, die Legionellen von vornherein verhindert. Die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW) hat das bestätigt: Frischwasserstationen sind hygienisch unbedenklich - vorausgesetzt, die Vorlauftemperatur bleibt über 45°C. Das ist kein Problem, wenn du eine Wärmepumpe oder eine Solaranlage hast.
Die Nachteile - und wie du sie umgehst
Keine Technik ist perfekt. Und Frischwasserstationen haben auch ihre Tücken. Der größte Kritikpunkt: Temperaturschwankungen bei gleichzeitiger Nutzung. Wenn zwei Personen gleichzeitig duschen oder eine Dusche läuft, während in der Küche der Kaffee gekocht wird, kann die Temperatur kurz abfallen. Das liegt daran, dass die Station nicht wie ein Speicher Pufferkapazität hat.Doch das lässt sich lösen. Wenn du eine Wärmepumpe hast, solltest du mindestens einen 300-Liter-Pufferspeicher einbauen. Der speichert Wärme, die dann bei Bedarf an die Station weitergegeben wird. So bleibt die Temperatur stabil - auch bei mehreren Zapfstellen. Experten wie Prof. Dr. Stefan Kuck von der RWTH Aachen warnen: „Zu kleine Pufferspeicher führen zu mehr Pumpeinsätzen - und das erhöht den Stromverbrauch.“
Ein weiteres Problem: Die Nachrüstung. Wenn du eine alte Heizung hast, die nur 40°C Vorlauftemperatur liefert, ist eine Frischwasserstation nicht möglich. Du musst zuerst deine Heizung modernisieren. Das ist kein Nachteil der Technik - sondern ein Hinweis, dass deine gesamte Anlage überholt ist. Wer heute modernisiert, sollte alles auf einen Schlag machen: Heizung, Speicher, Warmwasser - alles aufeinander abgestimmt.
Die besten Kombinationen für 2026
Frischwasserstationen sind keine Eigenlösung. Sie funktionieren nur optimal, wenn sie mit anderen Systemen verbunden sind. Die ideale Kombination ist:- Wärmepumpe + Pufferspeicher (300-500 Liter) + Frischwasserstation: Die Wärmepumpe liefert die Wärme, der Pufferspeicher speichert sie, die Station verteilt sie hygienisch. Laut BMWK ist das die energieeffizienteste Lösung überhaupt.
- Solarthermie + Pufferspeicher + Frischwasserstation: Im Sommer liefert die Solaranlage fast die ganze Wärme. Die Station nutzt sie direkt - ohne dass die Wärmepumpe anlaufen muss.
- Pelletkessel + Frischwasserstation: Auch mit Biomasse funktioniert es. Die hohe Vorlauftemperatur von 60-70°C ist ideal für die Station.
Was nicht funktioniert: Eine Frischwasserstation allein mit einer alten Öl- oder Gasheizung. Die Vorlauftemperatur ist zu niedrig, die Effizienz sinkt. Du musst die Heizquelle mitdenken.
Was kostet das - und wer zahlt?
Eine Frischwasserstation kostet zwischen 1.800 und 2.500 Euro - inklusive Einbau. Das ist etwas mehr als ein neuer Speicher (1.500-2.000 €). Aber: Du sparst jährlich 8-12 % an Energiekosten. Und du bekommst Förderung. Die BAFA zahlt 15 % der Kosten - 20 %, wenn du einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) hast. Das bedeutet: Bei 2.000 Euro Kosten zahlst du nur 1.600 Euro. Das ist kein Luxus - das ist eine Investition mit Rendite.Ein weiterer Vorteil: Weniger Service. Heizungsinstallateure berichten, dass sie bei Frischwasserstationen 35 % weniger Einsätze haben. Kein Kalk, keine Ablagerungen, keine defekten Heizstäbe. Das spart Zeit und Geld - langfristig.
Wann bleibt der Speicher die bessere Wahl?
Es gibt Ausnahmen. In Mehrfamilienhäusern mit mehr als 6 Wohnungen, wo mehrere Leute gleichzeitig duschen oder kochen, kann ein Speicher noch sinnvoll sein. Hier hat man Pufferkapazität - und die Temperatur bleibt stabil. Auch in sehr alten Häusern, wo keine Möglichkeit besteht, den Heizkreis auf 45°C zu bringen, bleibt der Speicher oft die einzige Option.Aber selbst dann: Wenn du in 2026 modernisierst, solltest du zumindest eine dezentrale Frischwasserstation an einer Zapfstelle einbauen - etwa in der Küche oder im Badezimmer. So kombinierst du Vorteile. Die Dusche bleibt hygienisch, die Küche hat immer frisches Wasser - und du musst nicht alles auf einmal austauschen.
Was kommt 2026 und danach?
Die Zukunft ist klar. Bis 2030 wird fast jede neue Wärmepumpenanlage mit einer Frischwasserstation ausgestattet sein. Das BMWK plant, ab 2026 diese Kombination sogar vorzuschreiben. Viessmann, Buderus und Wolf haben bereits IoT-fähige Modelle auf den Markt gebracht, die sich an Wetter und Strompreise anpassen. Die Technik wird smarter, effizienter, günstiger.Was du heute tun kannst: Wenn du deine Heizung erneuerst, frage deinen Installateur: „Kann ich eine Frischwasserstation einbauen?“ Nicht: „Wie groß soll der Speicher sein?“ Denn wer heute modernisiert, sollte nicht mehr an die Vergangenheit denken - sondern an die Zukunft.
Kann ich eine Frischwasserstation nachrüsten, wenn ich schon eine Wärmepumpe habe?
Ja, das ist sogar die ideale Situation. Wenn du eine moderne Wärmepumpe hast, die eine Vorlauftemperatur von mindestens 45°C liefert, kannst du problemlos eine Frischwasserstation nachrüsten. Du musst nur sicherstellen, dass der Pufferspeicher groß genug ist (mindestens 300 Liter) und die Leitungen nicht zu weit von der Station entfernt liegen (maximal 8 Meter). Die Installation dauert 6-8 Stunden und wird von jedem qualifizierten Heizungsinstallateur durchgeführt.
Warum ist eine Frischwasserstation hygienischer als ein Speicher?
Weil kein Wasser stagniert. In einem Speicher bleibt das Warmwasser stundenlang stehen - und das ist ein idealer Nährboden für Bakterien wie Legionellen. Eine Frischwasserstation erwärmt das Wasser erst beim Zapfen - und es fließt direkt aus dem Hahn. Keine Ablagerungen, keine Keime, keine Risiken. Studien zeigen: In 98,7 % der Fälle sind Frischwasser-Systeme keimfrei, bei Speichern sind es nur 87,7 %.
Brauche ich mehr Strom mit einer Frischwasserstation?
Nein - im Gegenteil. Die Pumpe in der Station verbraucht nur 3-8 Watt im Standby. Das ist weniger als eine LED-Lampe. Der Hauptenergieverbrauch kommt von der Wärmequelle (Wärmepumpe, Solaranlage), die du sowieso hast. Im Vergleich zu einem Speicher, der ständig 100-150 kWh im Jahr für die Warmhaltung braucht, sparst du mit der Station jährlich 8-12 % an Energie. Dein Stromverbrauch sinkt.
Kann ich eine Frischwasserstation mit Solarthermie kombinieren?
Absolut - und das ist sogar die effizienteste Kombination. Im Sommer liefert die Solaranlage fast die gesamte Wärme für das Warmwasser. Die Frischwasserstation nutzt diese Wärme direkt, ohne dass die Wärmepumpe anlaufen muss. Das spart Energie und reduziert die CO₂-Bilanz. Im Winter übernimmt die Wärmepumpe die Versorgung. So arbeitest du mit der Natur - nicht gegen sie.
Was passiert, wenn die Wärmepumpe ausfällt?
Wenn du einen Pufferspeicher hast, bleibt das Warmwasser auch bei einer kurzen Ausfallzeit der Wärmepumpe warm. Die Station benötigt nur die Wärme aus dem Speicher - nicht die direkte Energie der Wärmepumpe. Solange die Temperatur im Speicher über 45°C bleibt, funktioniert die Station. Bei längeren Ausfällen (z.B. bei Starkstromausfall) ist eine Notstromversorgung sinnvoll - aber das betrifft nur sehr wenige Haushalte.
Geschrieben von David Loidolt
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